Riskante Lebensversicherungs-Fonds

10. Oktober 2003, 11:15
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Der VKI warnt vor hohen Kosten, möglichen Verlusten und Beratungsmängel bei fondsgebundenen Lebensversicherungen

Wien - Fondsgebundene Versicherungen werden in Österreich oft mit falschen Argumenten an die falschen Personen verkauft, kritisiert der Verein für Konsumenteninformation (VKI). Grundsätzlich wird das Produkt Fondsgebundene Lebensversicherung nicht schlecht beurteilt, allerdings orten die Konsumentenschützer Mängel in der Beratung, vor allem über die Höhe der Kosten. Das Produkt sei riskant und für Kunden geeignet, die sich auskennen, über etwas "Spielgeld" verfügen und einen langen Atem haben, so VKI-Obmann Harald Glatz am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Beschwerden von Konsumenten häufen sich.

Die Renditen hielten nicht, was sie versprechen, tatsächlich seien es "mickrige Sätze". Die Kosten seien hoch und würden nicht ausreichend dargestellt, ihre tatsächliche Höhe herauszufinden sei sehr schwierig, "man erlebt Überraschungen", so Glatz. Einer im Testmagazin "Konsument" veröffentlichten Untersuchung von 12 Produkten zufolge betragen die Kosten für eine über 32 Jahre angesparte Prämiensumme von 38.400 Euro zwischen 6.780 und 9.219 Euro, können also bis fast zu einem Viertel der angesparten Summe gehen.

"Mickrige Sätze"

Selbst das billigste Produkt wirft nach Berechnungen der Konsumentenschützer relativ geringe Erträge ab: Bei einer angenommen Performance von 6 Prozent liegt die Nettorendite nach zehn Jahren bei 2,7 Prozent, bei 3 Prozent Performance liegt sie sogar mit 0,3 Prozent im Minus. Für eine Laufzeit von 15 Jahren kann bei 6 Prozent Performance eine Nettorendite von 3,6 Prozent erzielt werden, bei 3 Prozent Performance sind es 0,6 Prozent. Nach zwanzig Jahren beträgt die Nettorendite 4,0 Prozent (bei 6 Prozent Performance) bzw. 1,1 Prozent (bei 3 Prozent Performance). Das seien "mickrige Sätze", die der Konsument aber nicht sehe, so Max Reuter, Leiter der VKI-Abteilung Finanzdienstleistungen. Geworben werde mitunter auch mit einer jährlichen Performance von 12 Prozent über zwanzig Jahre. Das sei angesichts der derzeitigen Kapitalmarktsituation "fahrlässig".

Beim Erhalt des ersten Kontoauszuges, der zudem vielfach erst nach drei Jahren und nicht wie vorgeschrieben nach einem Jahr geliefert werde, erlebe der Kunde oft die Überraschung, das am Konto weniger als die eingezahlte Prämie aufscheine, weil zuerst die Kosten abgezogen werden.

Beschwerden häufen sich

Beim VKI haben sich die Beschwerden über Fonds gebundene Lebensversicherungen gehäuft, 6 von 10 Fällen in der Geldanlage beziehen sich laut Reuter auf dieses Produkt. Verkauft werde die Fonds gebundene Lebensversicherung oft im Zusammenhang mit Strukturvertrieben aber auch im Bekanntenkreis. Als "psychologischer Trick" beim Verkauf angeboten werde oft ein sicheres und gleichzeitig ertragreiches Produkt. Die in Beratungsgesprächen immer wieder dargestellt Liquidität sei ein dezidiertes Falschargument.

Beim "Konsument"-Test mit offiziellen und anonymen Anfragen seien die Beratungsgespräche grundsätzlich in Ordnung gewesen, über das tatsächliche Ausmaß der Kosten sei allerdings in keinem Fall informiert worden. Zwei Versicherungsberater hätten sogar vom Abschluss abgeraten.

Als erstes Standbein ungeeignet

Als erstes Standbein zur privaten Altersvorsorge sei die Fonds gebundene Lebensversicherung ungeeignet, sie sollte auf Grund des möglichen Kapitalverlusts nur als zusätzliche Vorsorge in Erwägung gezogen werden, so der VKI. Wer einen hohen Ablebensschutz brauche sei mit getrennten Produkten beispielsweise mit einer reinen (billigeren) Ablebensversicherung und einem separaten Ansparprodukt besser bedient.

Einem Kunden, der nach drei Jahren fest stellt, dass er mit der Fonds gebundenen Lebensversicherung nicht zufrieden ist, raten die Konsumentenschützer, den Vertrag "im ersten Schrecken" keinesfalls sofort zu kündigen. Sinnvoll sei es, sich mit dem Anbieter in Verbindung zu setzen, über Prämienreduktionen zu verhandeln oder den Fonds zu switchen.(APA)

  • Das Produkt ist riskant
und für Kunden geeignet, die sich auskennen, über etwas "Spielgeld"
verfügen und einen langen Atem haben
    foto: photodisc

    Das Produkt ist riskant und für Kunden geeignet, die sich auskennen, über etwas "Spielgeld" verfügen und einen langen Atem haben

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