Pädophile und Spammer zwingen Microsoft-Chat in die Knie

5. Oktober 2003, 10:54
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Aus für MSN-Chaträume - "Die fröhlichen Anfangszeiten des Internets sind teilweise vorbei"

Der US-Softwarekonzern Microsoft will seine Gesprächsforen im Internet in 28 Ländern schließen und damit die Verbreitung von Kinderpornografie über die so genannten Chaträume unterbinden.

"Die einfache Wahrheit der Geschichte ist, dass freies, unbetreutes Chatten nicht sicher ist"

Das Unternehmen werde seine Foren in Europa, dem Nahen Osten, Afrika, Asien und großen Teilen Lateinamerikas zum 14. Oktober abschalten, sagte Geoff Sutton, Generalmanager für Europa der Microsoft-Internetsparte MSN. "Die einfache Wahrheit der Geschichte ist, dass freies, unbetreutes Chatten nicht sicher ist", sagte Sutton der Nachrichtenagentur Reuters. Die Gesprächsforen hätten sich zu einer Spielwiese für zweifelhafte Gestalten entwickelt und dienten zur Verbreitung von Kinderpornografie und unerwünschten Werbemails (Spam).

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Chaträume gibt es seit den Anfängen des Internets. Sie gehören zu seinen beliebtesten Angeboten. Seit langem streiten Anwälte einer freien Meinungsäußerung einerseits und des Schutzes von Kindern vor sexuellem Missbrauch andererseits über die Frage, ob und wie weit die in den Foren ausgetauschten Inhalte reglementiert werden sollen.

Signal

Sutton sagte, die Schließung der Gesprächsforen bei Microsoft sei "ein Signal, dass die fröhlichen Anfangszeiten des Internets teilweise vorbei sind. Chat gehörte zu den Dingen, die hip waren. Es war frei und offen. Aber eine kleine Minderheit hat das nun für alle verändert. Das ist sehr traurig."

Die Nutzer müssten künftig andere Kommunikationsmöglichkeiten in Anspruch nehmen, hieß es weiter, beispielsweise Microsofts Messenger-Dienst. Mit diesem Angebot konkurriert der Konzern hart mit der Internetsparte von AOL Time Warner und Yahoo. "Die Entscheidung basiert auf Kundenerfahrungen, um des Schutzes von Kindern willen und auf unserer strategischen Investition, MSN Messenger aufzubauen", räumte Sutton ein. (Reuters)

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