Harte Zeiten für Anleiheninvestoren

17. Dezember 2003, 13:16
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Phase durchzustehen sollte sich aber trotzdem lohnen - Christian Riegler, Fondsmanager des 3 Banken Global Bond Mix

e-fundresearch/Linz: Christian Riegler, Sie sind Fondsmanager des 3 Banken Global Bond Mix. Wie stellt sich der Investmentprozess kurz dar?

Christian Riegler: Der Global Bond Mix ist, wie der Name schon verrät, ein internationaler Anleihenfonds. Wir verfolgen einen sehr risikobewussten und langfristigen Ansatz, was sich auch in der starken Übergewichtung von Staatsanleihen niederschlägt. Derzeit sind 85 Prozent in Staatsanleihen und Pfandbriefen guter Bonität investiert, der Rest sind Corporate und Emerging Market Bonds.

Konzentration auf Euro und US-Dollar

e-fundresearch/Linz: Wie sieht das Anlageziel und die Benchmark aus?

Christian Riegler: Der JP Morgan Global Bond Index ist unsere Benchmark. Daraus leitet sich unsere Währungsallokation ab: 70 Prozent sind in Euro, 30 Prozent in US-Dollar investiert. Unserer maximale US-Dollar-Gewichtung beträgt 45, unserer minimale 15 Prozent. Andere Währungen gewichten wir nicht, da etwa osteuropäische Währungen derzeit zum Euro stark an Wert verlieren. Unser Ziel ist die langfristige Outperformance der Benchmark.

e-fundresearch/Linz: Wie erreichen Sie diese Outperformance? Mehr durch Zins- oder Währungsmanagement?

Christian Riegler: Sehr stark durch Währungsmanagement. Nur in abgeschwächter Form wichtig für uns ist das Zinsmanagement.

Kurzfristige Stärke des US-Dollar erwartet

e-fundresearch/Linz: Was erwarten Sie denn dann auf der Währungsseite?

Christian Riegler: Bis vor vier Monaten waren wir im US-Dollar stark untergewichtet und haben nur knapp 15 Prozent gehalten. Seit Mai sind wir jetzt neutral gewichtet, weil wir beim Euro keine Unterbewertung mehr sehen. Aktuell überlegen wir diese US-Dollar-Gewichtung etwas zu erhöhen, da sich die amerikanische Wirtschaft im Vergleich zu Europa ein sehr gutes Bild abliefert. Kurzfristig erwarten wir deshalb eine Stärke des US-Dollars.

e-fundresearch/Linz: Könnten Sie Stärke und kurzfristig quantifizieren?

Christian Riegler: Kurzfristig sind für uns sechs Monate. Das Aufwärtspotential sollte bis 1,05 US-Dollar pro Euro gehen.

e-fundresearch/Linz: Und langfristig?

Christian Riegler: Auf langfristige Sicht darf man das amerikanische Haushaltsbilanzdefizit nicht außer Acht lassen. In den nächsten zwei bis vier Jahren gehen wir deshalb von einer deutlichen Abschwächung des US-Dollar aus.

Fed: Keine Zinserhöhungen mehr in 2003

e-fundresearch/Linz: Was erwarten Sie auf der Zinsseite beim US-Dollar und Euro?

Christian Riegler: Die wirtschaftliche Situation in den USA verbessert sich fast täglich und somit ergibt sich nicht gerade eine gute Zinsprognose. In Amerika werden die Zinsen aufgrund der größeren wirtschaftlichen Dynamik darüber hinaus schneller ansteigen als in Europa. Bezüglich der USA erwarten wir aber 2003 keine Zinserhöhung mehr von der Fed. Mit einer Verspätung von sechs bis zwölf Monaten sollte dann auch die EZB nachziehen.

Schweres Umfeld für Anleihen

e-fundresearch/Linz: Das Umfeld für Anleiheinvestoren scheint also nicht gerade gut zu sein. Wie sollte man sich da ihrer Ansicht nach verhalten?

Christian Riegler: Der Zeithorizont bestimmt natürlich die Antwort dieser Frage. Generell wird das kommende Jahr aber sicher ein schwieriges für Anleiheninvestorenwerden. Man sollte nur mit mageren Performanceziffern rechnen. Aktienfonds werden sicher die Nase vorn haben, aber auf Sicht von fünf oder mehr Jahren lohnt es sich mit Sicherheit diese Phase durchzustehen.

e-fundresearch/Linz: Vielen Dank für das Gespräch!

Das gesamte Interview finden Sie als Audio/Video unter http://www.e-fundresearch.com/article.php?aID=3509

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