Prssefotograf mehrere Stunden von US-Soldten festgehalten

24. September 2003, 21:27
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Washington schließt absichtliche Tötung eines Journalisten aus: Soldaten hielten Kamera für Granatwerfer

Bagdad - Amerikanische Truppen im Irak haben am Dienstag einen Journalisten der Nachrichtenagentur AP mehrere Stunden festgehalten. Die Soldaten zwangen den Fotografen Karim Kadim und seinen Fahrer Mohammed Abbas westlich von Bagdad, mehrere Stunden in der Sonne zu stehen. Sie erhielten in dieser Zeit kein Wasser und hatten ihre Hände hinter dem Rücken gefesselt. Die US-Streitkräfte entschuldigten sich später für den Vorfall.

"Ich hatte Angst, dass sie schießen"

Kadim erklärte, er habe sich mehrfach als Journalist ausgewiesen, als er sich den Truppen genähert habe. Er und sein Fahrer seien zunächst aufgefordert worden zu gehen, dann aber zurückgerufen worden. Die Soldaten hätten ihm seine Kameraausrüstung abgenommen. "Ich hatte Angst, dass sie schießen", sagte Kadim. "Sie waren sehr angespannt und schrien die ganze Zeit." Beide standen bei 43 Grad drei Stunden neben einem Militärfahrzeug. Bitten, das AP-Büro in Bagdad anrufen zu dürfen, wurden abgelehnt. Abbas sagte, die Soldaten hätten ihnen vorgeworfen, zu den Aufständischen zu gehören, die Angriffe auf US-Truppen planten.

Streitkräfte entschuldigten sich

Beide Männer wurden später zu einem US-Stützpunkt gebracht, wo sich Major Erick Wick bei ihnen entschuldigte. Wick sprach auch mit dem AP-Büro, wiederholte die Entschuldigung und sprach von einem "Missverständnis auf unserer Seite". Erst am Donnerstag hatten US-Truppen auf Kadim geschossen. Er wurde nicht verletzt. Die AP protestierte wegen des Vorfalls schriftlich bei der Führung der Streitkräfte in Bagdad.

Human Rights Watch: US-Soldaten in Irak gefährden Zivilisten

Gut einen Monat nach dem Tod eines Kameramanns der Nachrichtenagentur Reuters im Irak hat Washington eine absichtliche Tötung durch US-Soldaten ausgeschlossen. Eine Untersuchung habe ergeben, dass die Soldaten sich bei diesem "bedauerlichen Vorfall" vorschriftsgemäß verhalten hätten, sagte ein Beamter des Verteidigungsministeriums am Dienstag in der US-Hauptstadt. Der palästinensische Kameramann Masen Dana war am 17. August bei Dreharbeiten vor einem Gefängnis westlich von Bagdad durch Schüsse von US-Soldaten getötet worden. Die Soldaten hatten die Kamera angeblich für einen Granatwerfer gehalten.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärte am Dienstag, Journalisten im Irak seien durch Überreaktionen der US-Armee in Gefahr. "Da die Angriffe auf US-Soldaten nicht nachlassen, greifen US-Soldaten manchmal in rücksichtsloser und diskriminierender Weise zu tödlicher Gewalt", sagte der Leiter der Abteilung Naher Osten und Nordafrika bei Human Rights Watch, Joe Stork. "Das bringt alle Zivilisten, nicht nur Journalisten, in große Gefahr." Der Organisation zufolge wurden im Irak seit Kriegsbeginn zwölf Journalisten getötet, davon fünf durch Schüsse der US-Truppen. (APA/AP)

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    Reuters-Kameramann Mazen Dana bei der Arbeit (Archivbild)

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