Telekom Austria -Aufsichtsrat vertagt Entscheidung über Angebot für MobilTel

2. Oktober 2003, 10:34
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Knackpunkt: der Preis - Angebot dennoch wahrscheinlich - Nächste Sitzung am 2. Oktober

Der Aufsichtsrat der Telekom Austria (TA) hat die Entscheidung über ein Angebot für den bulgarischen Mobilfunkanbieter MobilTel am Mittwoch vertagt. Der Vorstand habe lediglich die Ergebnisse der Unternehmensprüfung (Due Dilligence) präsentiert. Antrag für ein Angebot habe es vorerst keinen gegeben, erfuhr die APA am Mittwochabend aus Aufsichtsratskreisen. Dennoch rechnen Beobachter weiterhin damit, dass die TA an ihren Übernahmeabsichten festhalten wird. Die nächste Aufsichtsratssitzung ist für 2. Oktober angesetzt worden.

Knackpunkt: der Preis

Knackpunkt bei der MobilTel-Übernahme ist, wie berichtet, der Preis. In der Aufsichtsratssitzung soll kein Angebotspreis besprochen worden sein. Die zuletzt in den Medien genannten 1,3 bis 1,5 Mrd. Euro sollen aber deutlich zu hoch sein. Selbst 1 Mrd. Euro sei noch zu hoch gegriffen, heißt es. Die jetzigen Eigentümer - der österreichische Industriellen und Ex-ÖVP-Obmann Josef Taus, die Management Trust Holding AG (MTH), Cordt & Partner, die Bawag/P.S.K.-Gruppe und die MS Privatstiftung des Geschäftsmanns Martin Schlaff - hatten die MobilTel im Jänner 2002 für 600 Mio. Euro übernommen.

Cash Flow bis zu 400 Mio. Euro

Die TA könnte für den angepeilten Kauf aus ihrem Cash Flow bis zu 400 Mio. Euro finanzieren. Um die Übernahme dennoch finanzieren zu können, will die TA dem Vernehmen nach in einem ersten Schritt nur die Mehrheit an der MobilTel übernehmen - allerdings mit einer Option auf die vollständige Übernahme zu einem späteren Zeitpunkt. Analysten schlossen eine solche Möglichkeit zuletzt nicht aus.

Interesse

Wie das deutsche "Handelsblatt" gestern unter Berufung auf Branchenkreise berichtete, haben auch die ungarische Tochter der Deutschen Telekom, Matav, der britische Mobilfunk-Weltmarktführer Vodafone sowie die skandinavischen Telekomkonzerne Telenor und Telia-Sonera einen Einstieg in den bulgarischen Mobilfunkmarkt erwogen und die MobilTel geprüft. Die Telekom Austria gilt jedoch laut "Handelsblatt" als Favorit.

Die MobilTel wäre die vierte Auslandstochter der TA. Derzeit ist die Telekom über die Mobilkom in Slowenien, Kroatien und Liechtenstein aktiv. Laut TA-Mobilfunkchef Boris Nemsic liegt Bulgarien im "strategischen Interessensgebiet der Mobilkom (Anm. Mobilfunktochter der TA)". Der bulgarische Mobilfunkmarkt sei angesichts der 29-prozentigen Penetration ein "Markt mit Wachstumschancen".

Nummer eins

Mit mehr als zwei Millionen Kunden und einem Marktanteil von 72 Prozent ist die MobilTel mit Abstand die Nummer eins auf dem bulgarischen Mobilfunkmarkt. In diesem Jahr will das bulgarische Unternehmen 425 Mio. Euro umsetzen, ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 260 bis 270 Mio. Euro einfahren und unterm Strich etwa 170 Mio. Euro Gewinn erwirtschaften. Für die TA erwarten Analysten heuer einen Nettogewinn von rund 120 Mio. Euro. (APA)

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