"Ich bin mehr Patriot als US-Präsident George W. Bush"

26. September 2003, 12:09
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Sean Penn - Preisträger am Filmfestival in San Sebastian - klopft sich auf die Schulter und freut sich über Etikett "letzter Hollywood-Rebell"

San Sebastian - Hollywoodstar Sean Penn (43) ist auch auf dem Internationalen Filmfestival in San Sebastian, wo er am Dienstagabend mit dem Donostia-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, seinem Ruf als scharfer Kritiker der US-Regierungspolitik treu geblieben: "Neben Schauspielern sind wir ganz normale Mensch, die ihre Meinung sagen dürfen und müssen. Und die bringe ich in Reden und in Filmen zum Ausdruck. Ich lasse mir auch keine Kritik an der Politik verbieten, obwohl das viele in den Vereinigten Staaten fordern", so Penn, der meinte, seine Haltung habe nichts mit mangelnder Vaterlandsliebe zu tun: "Ich bin mehr Patriot als US-Präsident George W. Bush. Das kann ich versichern."

Fühle mich bereits so gebrechlich wie Preisträger-Vorgänger Bogart und Pacino

Sean Penn, jüngster Donostia-Preisträger der Festivalgeschichte, erklärte auf einer Pressekonferenz vor der Verleihung, er fühle sich sehr geehrt, gerade in seinem Alter bereits für sein Lebenswerk geehrt zu werden und versicherte, sich bereits genauso gebrechlich zu fühlen wie seine Vorgänger Humphrey Bogart oder Al Pacino. "Auf den Oscar-Preisverleihungen zählt meistens nur das Geld und das Marketing. Mir stehen die Haare zu Berge, wenn ich sehe, welche Leute und Filme da jedes Jahr ausgezeichnet werden. Viel Glamour und nichts dahinter. Auf den europäischen Festivals geht es allerdings um Kino", meinte Penn, der erst kürzlich in Venedig mit dem Preis als bester Darsteller für seine Rolle in Alejandro Gonzalez Inarritus "21 Grams" ausgezeichnet worden ist.

Nicht immer leicht, sich durchzusetzen

Das Etikett des "letzten Hollywood-Rebellen" gefalle ihm, weil diejenigen Schauspieler, die nur nach dem Willen der Produzenten spielten und redeten, meist an interpretativer Leistung zu wünschen übrig ließen, erklärte Penn. Es sei allerdings nicht immer leicht gewesen, sich durchzusetzen.

Sean Penn, Sohn des TV-Regisseurs Leo Penn und der Schauspielerin Eileen Ryan, wurde schon in frühester Jugend mit dem Film konfrontiert. Zusammen mit seinem Bruder Chris Penn und ihren gemeinsamen Freunden Charlie Sheen, Emilio Estevez und Rob Lowe drehte er in seiner Jugend einige Super-8-Produktionen. Später arbeitete er am Los Angeles Group Repertory Theatre als Assistent, nahm gleichzeitig Schauspielunterricht und führte zum ersten Mal auch Regie.

Spitznamen "Sean de Niro"

Sein Filmdebüt als Darsteller feierte Penn an der Seite von Timothy Hutton und Tom Cruise in "Die Kadetten von Bunker Hill". In den darauf folgenden Jahren entwickelte sich Sean Penn zu einem besessenen Schauspieler, was ihm den Spitznamen "Sean de Niro" einbrachte, weil er sich während der Dreharbeiten nur mit seinem Rollennamen ansprechen ließ und sich immer akribisch mit dem Charakter auseinandersetzte.

Oscar-Nominierung für "Dead Man Walking"

Höhepunkte seiner Darstellerkarriere stellen die Golden-Globe-Nominierung als Bester Nebendarsteller in Brian de Palmas "Carlitos Way" (1993) sowie die Oscar-Nominierung als Bester Hauptdarsteller in Tim Robbins' "Dead Man Walking" dar. Auch wenn der Ex-Ehemann von Pop-Queen Madonna häufiger als Privatperson im Mittelpunkt stand als der Schauspieler Sean Penn, zählt er heute zu den wichtigsten Charakterdarstellern in Hollywood.

Nachdem vor wenigen Tagen bereits die Schauspielerin Isabelle Huppert mit dem Donostia-Preis geehrt wurde, wird am kommenden Freitag auch Robert Duvall für sein Lebenswerk ausgezeichnet. (APA)

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    Sean Penn: "Ich lasse mir auch keine Kritik an der Politik verbieten, obwohl das viele in den Vereinigten Staaten fordern".

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