Air France und KLM fliegen gemeinsam

6. Oktober 2003, 17:18
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Mit der Fusion entsteht die führende europäische und weltweit drittgrößte Fluggesellschaft - Alitalia will dem Bündnis beitreten

Wien – Durch einen Aktientausch wird Air France die vergleichsweise kleinere niederländische Airline KLM übernehmen. Dabei bieten die Franzosen rund 16,74 Euro je KLM-Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von 40 Prozent gegenüber dem KLM-Schlusskurs am Montag.

Legt man den durchschnittlichen Schlusskurs der vergangenen drei Monate zugrunde, beläuft sich die Prämie sogar auf 77 Prozent. Das Angebot bewertet die mit zwei Mrd. Euro verschuldete KLM auf rund 784 Mio. Euro.

Sollten alle KLM-Aktionäre die Offerte annehmen, halten sie 19 Prozent an der neuen Gruppe Air France-KLM. Der Anteil des französischen Staates wird sich durch den Tausch automatisch von 54 auf 44 Prozent reduzieren. Die übrigen Air-France-Aktionäre werden den Plänen zufolge 37 Prozent an der neuen Gruppe halten. Die Aktien von Air France sollen in Paris, Amsterdam und New York gelistet werden.

Keine Kündigungen

Das operative Ergebnis des neuen Konzerns soll ab dem fünften Jahr um jährlich mindestens 385 Mio. bis 495 Mio. Euro höher ausfallen als ohne Fusion. Die längerfristigen Synergieeffekte erwartet Air- France-Chef Jean-Cyril Spinetta mit jährlich bis zu 600 Mio. Euro. Spinetta betonte, dass es durch die Fusion keine Kündigungen geben soll. Synergieeffekte versprechen sich die Unternehmen insbesondere durch eine bessere Ausnutzung der Flugnetze und durch Kooperation bei Einkauf, Vertrieb, Maschinenwartung und Informationstechnologie. Kunden sollen durch ein erweitertes Angebot und einheitlichen Service profitieren.

Geplant ist eine Dachgesellschaft mit dem Namen Air France-KLM. Darunter werden die bisherigen Gesellschaften als operierende Tochterfirmen weitergeführt. Damit bestehen die Fluglinien in ihrer jeweiligen nationalen Identität und mit ihrem Marktauftritt wie bisher weiter. Dadurch sollen vor allem die internationalen Flugrechte von KLM und die Bedeutung des Amsterdamer Flughafens Schiphol gesichert werden.

Stiftungen

Bei der Holding-Tochter KLM werden 51 Prozent der Stimmrechte für eine Übergangsperiode von drei Jahren in Besitz zweier niederländischer Stiftungen und des niederländischen Staates bleiben, der bisher über eine so genannte Goldene Aktie ein Vetorecht bei KLM hat. Chef von Air France-KLM wird Spinetta. KLM-Chef Leo van Wijk wird Spinettas Stellvertreter.

Air France und KLM kommen zusammen auf einen Jahresumsatz von 19,2 Mrd. Euro, fliegen weltweit 226 Ziele an mit einer Flotte von etwa 540 Flugzeugen und rund 106.000 Beschäftigten.

Alitalia

Alitalia will der neu gegründeten Fluglinie beitreten. Mit den Verhandlungen soll begonnen werden, sobald der italienische Staat seine Kontrolle über die Fluglinie abgegeben hat. Air France und Alitalia halten eine wechselseitige Beteiligung von zwei Prozent. Die Luftfahrtallianz SkyTeam um Air France und Delta steigt mit der Aufnahme von KLM zur weltweiten Nummer zwei hinter der Star Alliance von Lufthansa und United auf, der auch die AUA angehört, und liegt dann vor One World um British Airways und American Airlines.

KLM ist chronisch defizitär. Im Vorjahr lag der Verlust vor Steuern bei 271 Mio. Euro. Der Fehlbetrag erreichte 416 Mio. Euro. Der Konzern mit 34.000 Mitarbeitern kommt auf einen Umsatz von 6,48 Mrd. Euro. Air France erzielte im Geschäftsjahr 2002/03 (bis 31. März) einen Gewinn von 120 Mio. Euro. Es war der sechste Jahresüberschuss in Folge. Das Betriebsergebnis betrug 192 Mio. Euro. Einer Nettoverschuldung von 2,86 Mrd. Euro standen 4,03 Mrd. Euro Eigenmittel gegenüber. (Claudia Ruff, DER STANDARD Printausgabe, 1.10.2003)

  • Air France und KLM heben in Zukunft gemeinsam ab.
    montage: derstandard.at

    Air France und KLM heben in Zukunft gemeinsam ab.

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