Nationalisten ziehen gemeinsam gegen EU-Verfassung zu Feld

24. September 2003, 13:56
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Korsen und Katalanen gründeten Interessengemeinschaft

Paris - Separatistische korsische Regionalratsabgeordnete und katalanische Autonomisten haben am Montag in Ajaccio im Süden der Mittelmeerinsel eine Interessengemeinschaft gegründet, die sich dafür einsetzen soll, dass das "Europa der Nationen" nicht "zu Lasten der europäischen Völker" geht. In diesem Sinne werden sich die beiden Minderheiten auch gegen die EU-Verfassung aussprechen, da diese in ihrem Entwurf keinen Schutz der Regionalsprachen beinhalte.

"Katalonien verfügt bereits seit Jahrzehnten über eine Autonomie, die zahlreichen Katalanen als unzureichend erscheint, für Korsika aber einen ersten Schritt in Richtung Selbstbestimmung darstellen könnte", erklärte der Regionalratsabgeordnete Jean-Guy Talamoni, Chef der separatistischen Bewegung "Corsica Nazione", bei der Vorstellung der Vereinigung "Corsica-Catalunya".

Lage nicht vergleichbar

"Die Lage im reichen und stark bevölkerten Katalonien ist natürlich nicht mit jener in Korsika vergleichbar, aber die Erfahrung unserer spanischen Nachbarn kann für uns viele Lehren beinhalten", fügte Talamoni hinzu. Die grenzübergreifende Interessengemeinschaft hat es sich weiter zum Ziel gesetzt, gemeinsame Projekte in den Bereichen der Wirtschaft, der Kultur, des Fremdenverkehrs und des Transportwesens zu verwirklichen.

"Die künftige europäische Verfassung sieht 25 offizielle Sprachen vor, nämlich jene der Unionsländer selbst, aber regionale Sprachen wie das Katalanische oder Korsische sind nicht vorgesehen", betonte Garriga Trullols, Präsident des Instituts zum Schutz der katalanischen Kultur IPECC ("Institut de Projection de la Culture Catalane"). "Selbst wenn wir Europa seit jeher befürworten, so werden wir gemeinsam mit den Korsen dazu aufrufen, beim Referendum zur EU-Verfassung für das Nein zu stimmen, wenn der aktuelle Text nicht im Interesse der Minderheiten abgeändert wird", betonte der christlich-nationalistische katalanische Regierungschef Jordi Pujol. (APA)

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