Wolfensohn: "Es herrscht ein Ungleichgewicht auf unserem Planeten"

30. September 2003, 09:27
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Kritik an hohen Rüstungs- ausgaben - Mehr Engagement bei Entwicklungszusammen- arbeit gefordert - Jahrestagung von Weltbank und IWF eröffnet

Dubai - Mit scharfer Kritik an den weltweiten Rüstungsausgaben hat Weltbank-Präsident James Wolfensohn am Dienstag die Jahrestagung seiner Institution und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Dubai eröffnet. Die Industrieländer gäben jährlich hunderte Milliarden Dollar mehr für Verteidigung sowie zur Subventionierung ihrer Landwirtschaft aus als für die Entwicklungszusammenarbeit, kritisierte Wolfensohn. Auch die Entwicklungsländer investierten insgesamt mehr in die Rüstung als in den Bildungssektor.

"Es herrscht ein Ungleichgewicht auf unserem Planeten"

"Es herrscht ein Ungleichgewicht auf unserem Planeten", sagte Wolfensohn vor den Delegierten aus 184 Ländern. "Zu wenige kontrollieren zu viel, und zu viele haben zu wenig zu erwarten." Das Scheitern der WTO-Konferenz in Mexiko vor zehn Tagen habe die tiefe Kluft erneut vor Augen geführt, deren Überwindung für eine stabile Zukunft notwendig sei, erklärte der Weltbankchef.

Die Ausgaben der Industrieländer für die Entwicklungshilfe beliefen sich jährlich auf lediglich 56 Milliarden Dollar (49 Milliarden Euro), während die Verteidigungsetats rund 600 Milliarden umfassten, kritisierte Wolfensohn. Für die Subventionierung der Landwirtschaft gäben die reichen Länder jährlich mehr als 300 Milliarden Dollar aus. "Es ist inkonsequent, über die Vorteile des freien Handels zu predigen und gleichzeitig an den höchsten Subventionen und Hürden für genau die Güter festzuhalten, bei denen die armen Länder einen Wettbewerbsvorsprung haben", sagte Wolfensohn.

Mehr Engagement bei Entwicklungszusammenarbeit gefordert

An die Entwicklungsländer gerichtet forderte Wolfensohn ein schärferes Vorgehen gegen Vetternwirtschaft und Korruption. Auch in den ärmeren Ländern gebe es ein "starkes Ungleichgewicht" beim Setzen von Prioritäten, kritisierte er. Insgesamt würden rund 200 Milliarden Dollar in die Verteidigung investiert, der Bildungssektor müsse aber mit weniger Geld auskommen.

Zu Beginn der zweitägigen Jahrestagung rief der Finanzminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Hamdan bin Rashid el Maktum, die Teilnehmer zur Unterstützung des Wiederaufbaus im Irak und des Nahost-Friedensprozesses auf. Die arabische Welt werde ihr wirtschaftliches Potenzial erst ausschöpfen können, wenn eine gerechte und dauerhafte Lösung für die regionalen Konflikte gefunden sei, sagte er. (APA/AP)

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