Spiegelgrund: Psychiater soll Patienten gequält und geschlagen haben

1. Oktober 2003, 15:03
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"Falter" veröffentlicht Dokumente über einen Psychiatrie-Skandal am Steinhof - Seit Jahren hätten Ärzte vor einem Kollegen gewarnt

Die Wiener Stadtzeitung "Falter" veröffentlicht in ihrer am Mittwoch erscheinenden Ausgabe bisher unveröffentlichte Dokumente über einen Psychiatrie-Skandal am Steinhof. Seit Jahren hätten Ärzte vor einem Kollegen, der Patienten am Steinhof gequält und mit Medikamenten "bestraft" haben soll, gewarnt. Die Zustände, so ein Schreiben der Oberärzte, würden an "totalitäre Zeiten" erinnern. Bis heute sei der Psychiater zu den Vorwürfen nicht befragt worden. Wie der "Falter" weiter berichtet, arbeitet der Mediziner jetzt als Gefängnisarzt in der Justizanstalt Mittersteig.

Schreiben an Pittermann

In einem Schreiben, das der "Falter" erstmals veröffentlicht, informierten die Oberärzte am Steinhof die Wiener Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann über die Vorfälle, weil sie sich an die schreckliche Vergangenheit des Spiegelgrundes (hier werkte einst der NS-Arzt Heinrich Gross) erinnerten.

"Sehr geehrte Frau Stadträtin", heißt es in einem Schreiben der Mediziner: "Die schwer fassbaren Begebenheiten lösen bei uns Erschütterung und Empörung aus. Wiederholte entwertende, sowie rassistisch zu bezeichnende Äußerungen gegenüber PatientInnen, medizinische Eingriffe ohne medizinische Indikationen zur bestrafend 'erzieherischen' Zwecken sowie Hochdosierungen von Psychopharmaka zur Disziplinierung bis zu handfesten körperlichen Tätlichkeiten stellen unseres Erachtens einen strafrechtlichen Tatbestand dar, erinnern aber auch an die unsägliche Vergangenheit der Psychiatrie bzw. an ihren Missbrauch unter totalitären politischen Verhältnissen".

"Eine Intrige"

Laut "Falter" bestreitet der Mediziner die Vorwürfe seiner Kollegen. "Eine Intrige" sei das alles. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Der Psychiater arbeitet nun als Gefängnisarzt in der Justizanstalt Mittersteig. Die Grüne Sigrid Pilz hat gegen den Mediziner nun Strafanzeige wegen Körperverletzung erstattet. Von den Vorwürfen will man im Justizministerium nichts gewusst haben, so der "Falter". (red)

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