Das verflixte achte Jahr

1. April 2004, 19:48
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Ob ein neu gegründetes Unternehmen tatsächlich überlebt, entscheidet sich in den ersten acht Jahren - Glück und Zufall alleine reichen für eine erfolgreiche Unternehmensgründung nicht aus - ein gut durchdachter Business-Plan hingegen hilft, Stolpersteine rechtzeitig zu erkennen

Im ersten Halbjahr 2003 verzeichnete die Wirtschaftskammer 14.752 Neugründungen, das sind um 14,5 Prozent oder 1800 Unternehmen mehr als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Dies seien "deutlich mehr Unternehmensgeburten und weniger Sterbefälle", unterstrich vor kurzem Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl die gute Entwicklung heimischer Neugründungen bei seiner Präsentation der Gründerstatistik.

Vor einer Insolvenz sind dennoch viele Betriebe nicht gefeit: Von Jänner bis Juni 2003 wurden 2652 Insolvenzen registriert, leicht zurückgingen auch die Eintragungen ins Firmenbuch. "In den ersten acht Jahren ist die Wahrscheinlichkeit, zahlungsunfähig zu werden, am höchsten", so Johannes Nejedlik, Geschäftsführer des Österreichischen Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV). Gerade junge Unternehmen, die nach 1995 gegründet wurden, sind am stärksten betroffen.

Wie können sich Gründer bereits in ihrer Startphase vor einer Pleite schützen? "Viele verkennen die Wichtigkeit eines gut durchdachten und auf Plausibilität geprüften Business-Plans. In der ersten Euphorie werden mögliche Fallen nicht erkannt", erklärt Herbert Neubauer, Assistenzprofessor am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Klein- und Mittelbetriebe der WU Wien. Aus diesem Grund rät Neubauer, sich nicht nur bei Unsicherheiten beraten zu lassen.

KSV-Gründercoaching

Neben nahezu allen Banken bietet beispielsweise auch der KSV ein umfangreiches Gründercoaching an. Der Gläubigerschutzverband unterstützt Jungunternehmer mit einer dreijährigen Gratismitgliedschaft: Neben dem KSV-Leistungspaket erhalten die Mitglieder spezielle Gutscheine zum Bezug von kostenfreien Informationsprodukten und Inkassoleistungen sowie einmal pro Monat ein kostenfreies Rechtsanwaltsservice.

Auch das virtuelle Gründerportal der Wirtschaftskammer Österreich, www.gruender service.net, bietet einen ausführlichen Fahrplan in die Selbstständigkeit: Der Leitfaden berät in Bereichen wie, Geschäftsidee, Behördenwege und rechtliche Vorbereitungen. Weiters finden Jungunternehmer Links zu Homepages einiger Steuerberater und Informationen zur Buchführung.

Ob potenzielle Gründer auch das Zeug zum Unternehmer haben, erfahren sie im Online-Gründerguide des Institutes für Unternehmensgründung und Unternehmensentwicklung der Johannes Kepler Uni in Linz. So sollen beispielsweise Leistungsmotivation, Risikobereitschaft, Unabhängigkeitsstreben sowie gesunder Menschenverstand und Systemdenken erfolgreiche Geschäftsleute auszeichnen.

Informationen zu den 53 Wiener Fördermodellen finden Interessierte auf der Website der Wirtschaftskammer (Navigationspunkt Wirtschaftsstandort). Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit informiert kostenlos und vermittelt Kontakte zu Experten.

Ausbildungen

Seminare zur Unternehmensgründung namens "4 Steps to Business" bieten die Regionalen Innovationszentren in Niederösterreich an. "An vier Abenden werden mithilfe von erfahrenen Beratern und einer neuartigen Software Unternehmenskonzepte erarbeitet", so RIZ-Geschäftsführerin Karin Platzer. Themen wie, Produkt/Markt, Konkurrenz, Marketing/Vertrieb und Planrechnung stehen auf dem Programm. Vor Ort füttern Teilnehmer eine dafür entwickelte Software mit erworbenem Wissen und erhalten auf Knopfdruck eine Darstellung des künftigen Unternehmens.

Von der Pike auf beschäftigen sich Studenten mit dem Thema Gründung am Institut für Entrepreneurship & Innovation an der WU Wien. Das theoretische Wissen erweitert ein Praxistraining: Gemeinsam mit Partnerteams anderer Universitäten und Unternehmen werden innovative Ideen geprüft und bewertet. "Wir wollen potenzielle Innovatoren ausbilden, die unternehmerisch denken und den Unternehmergeist im Blut haben", so Institutsvorstand Nikolaus Franke. (Silvia Stefan, DER STANDARD Printausgabe, 20./21.9.2003)

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    Erfolgreichen Geschäftsleuten werden eine hohe Leistungsmotivation, Risikobereitschaft sowie gesunder Menschenverstand nachgesagt

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