Annan fordert "drastische Verbesserungen" im Kampf gegen Aids

30. September 2003, 09:27
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2002 starben drei Millionen Menschen an der Seuche - 42 Millionen sind infiziert

New York - Die internationale Gemeinschaft hält sich im Kampf gegen Aids nach den Worten von UN-Generalsekretär Kofi Annan nicht an die vor zwei Jahren gemachten Zusagen. Die Bekämpfung der Immunschwäche drohe deutlich hinter den gesteckten Zielen zurückzubleiben, warnte der UN-Generalsekretär bei einer Sondersitzung der UN-Vollversammlung zum Thema Aids. "Es ist kristallklar, dass wir bis 2005 keines der gesetzten Ziele erreichen, wenn wir weiterhin nur so schleppend Fortschritte machen." Annan forderte Regierungen in aller Welt zu "drastischen Verbesserungen" auf.

Zwar seien inzwischen 4,7 Milliarden Dollar (4,1 Milliarden Euro) in den Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria eingegangen und an 93 Länder für ihren Kampf gegen Aids gezahlt worden, sagte Annan. Doch dieser Betrag müsse in den kommenden zwei Jahren noch einmal verdoppelt werden, betonte er im Hinblick auf entsprechende Beschlüsse beim UN-Gipfel zu HIV/Aids vor zwei Jahren in New York. "Wir haben schon viel geschafft, sind aber noch längst nicht weit genug", stellte Annan fest.

Katastrophale Zahlen

Weltweit habe nur jeder Neunte - in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara sogar nur jeder Sechzehnte - die Möglichkeit, sich auf HIV testen zu lassen, sagte Annan. Noch schlechter sehe es für HIV-infizierte Schwangere aus, die ihr Kind vor der Übertragung des Virus schützen wollten. Nur eine von 20 werdenden Müttern habe im Rahmen der Schwangerschaftsversorgung auch Zugang zu jenen Mitteln, die ihr Baby schützen könnten.

Jedes dritte Land habe noch immer keine Vorkehrungen getroffen, die Frauen helfen könnten, sich vor einer Aids-Infektion zu schützen, kritisierte der UN-Generalsekretär. Dabei entfielen weltweit bereits 50 Prozent aller Infektionen auf Frauen. Außerdem fehlten in mehr als einem Drittel der am schwersten betroffenen Länder noch immer Strategien zur Unterstützung des wachsenden Heers von Aids-Waisen. Zwei Drittel aller Länder hätten auch noch keine Gesetze gegen die Diskriminierung der am meisten von HIV gefährdeten Bevölkerungsgruppen eingeführt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO will mit Hilfe einer neuen Kampagne bis Ende 2005 weltweit drei Millionen Aids-Kranke mit modernen Medikamenten versorgen. Dies seien mehr als drei Mal so viel, wie mit allen derzeit bestehenden Aids-Programmen in den kommenden beiden Jahren erreicht werden könnten, teilte die Organisation am Montag in New York mit. "Wir haben die Medikamente, um Menschen für einen Dollar pro Tag oder weniger zu behandeln, aber sie kommen nicht bei den Bedürftigen an", heißt es in der Mitteilung.

Etwa sechs Millionen HIV-Infizierte in Entwicklungsländern seien so krank, dass sie diese Anti-Viren-Medikamente dringend benötigten. Derzeit würden dort jedoch weniger als 300.000 behandelt, so die WHO. Anhand der gesammelten Erfahrungen nach Ausbruch der Lungeninfektion Sars will die Organisation jetzt auch Nothilfe-Teams in Länder mit den höchsten Zahlen HIV-Infizierter senden. Diese sollen mit den Regierungen nach Wegen suchen, wie die Verteilung der Medikamente beschleunigt werden kann.

Nach Angaben der WHO sind im vergangenen Jahr drei Millionen Menschen an den Folgen von Aids gestorben. Das sind 8.000 Menschen pro Tag oder einer alle zehn Sekunden. 42 Millionen Menschen tragen derzeit das Aidsvirus in sich. (APA/dpa)

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