Argentinien legt Umschuldungsplan vor

23. September 2003, 21:26
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Private Gläubiger sollen nur 25 Prozent bekommen - "Daran wird nicht gerüttelt"

Dubai/Buenos Aires - Argentinien will seinen privaten Gläubigern im einem schmerzhaften Kapitalschnitt nur etwa ein Viertel der geschuldeten 94,3 Milliarden Dollar (82,2 Mill. Euro) zurückzahlen. Finanzminister Roberto Lavagna legte am Montag am Rande der IWF-Tagung in Dubai einen Plan zur Umschuldung und Wiederaufnahme der Zahlungen vor. Das südamerikanische Land bedient die Schulden schon seit Jänner vergangenen Jahres nicht mehr und löste damit den größten Zahlungsausfall der jüngeren Finanzgeschichte aus.

Die Verhandlungen mit den Gläubigern könnten kommenden Monat beginnen und bis Mitte kommenden Jahres dauern. Vertreter zehntausender Kleinanleger aus Italien und Deutschland wiesen den Vorschlag Argentiniens umgehend als unseriös zurück.

Konsequenzen

Lavagna betonte, trotz des Finanzschnittes seien "die Konsequenzen dieses Defaults (Zahlungsausfalls) in Argentinien größer als im Ausland". Die Gläubiger hätten auf jeden Fall "ihren Willen zum Ausdruck gebracht, an dem Verhandlungsprozess teilzunehmen", betonte er.

Über Details müsse zwar noch verhandelt werden, aber der Kapitalschnitt von 75 Prozent sei der "zentrale Punkt, um den der ganze Rest aufgebaut" sei. "Es ist nicht die Absicht der argentinischen Regierung, daran etwas zu ändern", stellte Lavagna klar. "An den 75 Prozent wird nicht gerüttelt", betonte auch Finanzstaatssekretär Guillermo Nielsen.

"Unrealistisch"

Die privaten Kleinanleger fordern hingegen den Nominalwert ihrer Schuldscheine. Der Vorschlag Lavagnas stieß deshalb am Montag umgehend auf heftige Ablehnung. "Die Ankündigung ist unrealistisch und verdient es nicht einmal, diskutiert zu werden", sagte Stefan Engelsberger von einer deutschen Vereinigung der Gläubiger. Vertreter italienischer Geschädigter sprachen von einem "Skandal".

Schuldenlast

Das Geld für die privaten Gläubiger muss aus dem Haushaltsüberschuss Argentiniens kommen. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) hat das Land bei der Vereinbarung eines neuen Beistandskredits gerade ein Wirtschaftswachstum von 4,0 Prozent und einen Haushaltsüberschuss von mindestens 3,0 Prozent des BIP für nächstes Jahr zugesagt. In den Folgejahren soll der Überschuss möglichst auf bis zu 6,0 Prozent steigen. Für dieses Jahr, in dem die Schuldenlast noch nicht drückt, steuert das Land ein Wirtschaftswachstum von 6,0 Prozent an.

Diese Erholung dürfe durch die Schuldenregelung nicht gefährdet werden, hatte Lavagna betont. Ende 2001 war die Regierung von Präsident Fernando de la Rua in einem Strudel sozialer Proteste und blutiger Straßenkämpfe gestürzt. Kurz danach wurden Zins- und Tilgungszahlungen an private Gläubiger eingestellt. (APA/dpa)

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    Roberto Lavagna, Finanzminister

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