Stoiber: König Edmund der Kantige

23. September 2003, 17:42
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Bayerns alter und neuer Ministerpräsident

Als feststand, dass er eine bisher unerreichte Zweidrittelmehrheit daheim in Bayern eingefahren hatte, erlaubte sich der sonst so gestrenge Edmund Stoiber ein außerplanmäßiges Lächeln. Ganz kurz sah er wirklich ganz zufrieden aus, Bayerns alter und neuer Regent. Er war sichtlich stolz auf seinen Erfolg, seine sprichwörtliche Zähigkeit, seine Wähler und überhaupt auf ganz Bayern, das ihm so brav gefolgt war.

Frau Karin, seit 1968 verehelichte Stoiber und bis heute stolz darauf, freute sich mit der ihr eigenen Hingabe, die andere für Selbstaufopferung halten. Sie, die patente, fehlerlose Landesmutter, verleiht ihrem Edmund, dem holzgeschnitzten König, die Herzlichkeit, die ihm sonst abgeht.

Wenn seine Karin dabei ist, geht es dem Edmund viel besser, dann fällt das Verbissene, das Rechthaberische von ihm ab. Stoibers Wahlkampfmanager lieben Frau Karin dafür: "Die Stoibers" hieß kurz und prägnant ein Slogan der vergangenen Wahl, der Stoiber weichzeichnete und ins bayrische Herz drückte. Außer Karin bringen nur seine drei Kinder einen so lockeren Stoiber zusammen. Früher war er als "blondes Fallbeil" seines Herrn Franz Josef Strauß bekannt; an derben Sprüchen, gescheiten Analysen und kuriosen Bandwurmsätzen à la Herbert Haupt gab es keinen Mangel. Nur an Anekdoten, witzige Sager oder schlagfertige Einwürfe kann sich bei Stoiber kaum jemand erinnern. Mit Humor ist der Einser-Jurist, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt, nicht geschlagen.

Einer der wenigen Gags stammt nicht von Stoiber, sondern von seinem treu ergebenen Innenminister Günther Beckstein: Stoiber habe lieber eine dicke Akte als eine schlanke Nackte. Das wurde vor zwei Jahren anlässlich Stoibers 60. Geburtstag umgesetzt. Aus einer enormen Torte kletterte eine für die CSU eher knapp bekleidete "Miss Bayern", eine Türkin, mit einem Packen Akten im Arm und näherte sich hüftschwingend dem CSU-Vorsitzenden: "Wofür entscheidest du dich?"

Nach allgemeiner Erwartung hätte Stoiber mit einem Brunftschrei die Akten an sich reißen sollen. Doch Edi tanzte - ein bisschen patschert zwar - mit der Dame, was ihm vielleicht deshalb leicht fiel, weil die schöne Türkin vorher der CSU beigetreten war. Lustig findet er es nicht, wenn über ihn gelacht wird.

Nachtragend kann Edmund hingegen schon sein. "Gott vergibt, Stoiber nie", lautet ein Spruch aus der Bayerischen Staatskanzlei, dort, wo viele Bavaria-Western spielten. Viele Politleichen von Streibl bis Waigel pflastern seinen konservativen Weg. Jetzt will er Gerhard Schröder, diesen norddeutschen Sozi, aushebeln. Der hatte ihn bei der letzten Bundestagswahl besiegt - so etwas vergisst ein Stoiber nie. Da hört sich nämlich der Spaß wirklich auf. (Gerhard Plott/DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2003)

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