Wohnbau: Mehr Anreiz für Klimaschutz

26. September 2003, 19:47
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Bund und Länder machen gemeinsame Sache und werden einen Vertrag schließen, der Standards in der Wohnbauförderung festlegt

Wien - Weil das Erreichen des Klimaziels immer weiter in die Ferne rückt, will Umweltminister Josef Pröll mit mehr Anreizen für Energie sparende Maßnahmen im Wohnungsbau gegensteuern. Hebel dafür ist die Wohnbauförderung. Weil diese gemäß Verfassung derzeit Landessache ist, will Pröll mit den Ländern auf der Landesumweltreferentenkonferenz am 8. und 9. Oktober einen so genannten 15a-Vertrag unterzeichnen.

Dadurch werde es möglich, österreichweit einheitliche Standards bei Energieverbrauch, Raumwärme und Dämmung zu schaffen und diese auch ins Förderregime einfließen zu lassen. "Das ökologische Anreizsystem muss verdichtet werden", sagte Pröll am Montag bei einer Pressekonferenz.

Schon jetzt gebe es für den Einbau von Biomasseheizungen zinslose Kredite; dieses System von umweltabhängiger Staffelung der Förderungen soll mithilfe des Vertrags mit den Ländern weiter ausgebaut werden, so der Ansatz des Umweltministeriums.

Aber mit Maßnahmen im Wohnbau und der Gebäudesanierung allein sei das Ziel der Reduktion der Treibhausgase (minus 13 Prozent bis 2012) nicht zu schaffen, so Pröll: "Die größten Sorgen bereiten mir die Kohlendioxid-Emissionen im Verkehr, das größte Problem ist die konstante Zunahme des Individualverkehrs." Allein zwischen 2000 und 2001 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) habe der Ausstoß in diesem Bereich um acht Prozent zugenommen, Tendenz weiter steigend.

Mit strengeren Umweltgesetzen allein könne man diesen Trend aber nicht umkehren, da bleibt dem Umweltminister nur der Appell ans ökologische Gewissen der Bürger. "Die Hälfte der gefahrenen Pkw-Strecken ist kürzer als fünf Kilometer. Wird jede zweite dieser Fahrten gestrichen, entspricht das einer Einsparungen von einer Million Tonnen Kohlendioxid", sagte Pröll am Montag, der von der EU zum autofreien Tag erklärt worden war.

Um das Klimaziel zu erreichen, müssen die österreichweiten Emissionen auf 68 Millionen Tonnen heruntergefahren werden. Weil der Ausstoß an Klimakillern aber seit dem Basisjahr der Berechnung (1990) stetig gestiegen sei, müsse man auf Basis des heurigen Jahres die Emissionen um annähernd 23 Prozent herunterbringen. In absoluten Zahlen wären das 17 Millionen Tonnen CO Der extrem trockene Sommer könnte nur ein Vorbote für die Auswirkungen des Klimawandels sein, meint Pröll. So werde die heurige Getreideernte um bis zu 15 Prozent geringer ausfallen als die ohnehin schon unterdurchschnittliche Ernte 2002.

Ernteeinbrüche

"Bei Zucker zeichnet sich ein Rückgang von bis zu 25 Prozent ab, bei Freilandgemüse von bis zu 35 Prozent." Noch nicht quantifizierbar seien die Auswirkungen bei Grünfutter und damit für die Rinderbauern. Klar sei schon, dass der dritte Schnitt ausgefallen sei. (rose/DER STANDARD Print-Ausgabe, 23.9.2003)

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