Krebs: Therapieerfolg von Eiweißen abhängig

25. September 2003, 11:50
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Innsbrucker Forscher gewannen neue Erkenntnisse für die Krebsbehandlung

Innsbruck/Wien - Bei der Entstehung von Krebs spielen jene Gene eine wesentliche Rolle, die für die Vermehrung von Zellen zuständig sind. Die einen geben ständig Gas, regen Zellen zur Teilung an; die anderen treten auf die Bremse, sorgen dafür, dass Zellen in ihrem Vermehrungsdrang nicht ausarten. Ist diese Sicherung "durchgebrannt", entsteht Krebs.

Einer der wichtigsten "Schutzengel" des Organismus ist das Tumor-Supressor-Gen "p53", Initiator des programmierten "Selbstmordes", auch "Apoptose" genannt. Dieses Molekül, das in allen Zellen sitzt, startet bei Bedarf ein genetisches Programm, das dazu dient, entartete, schlecht funktionierende und auch überalterte Zellen gezielt zu entfernen.

Das Problem: Die Krebszellen versuchen dieses Gen zu attackieren und damit den ihnen aufgezwungenen Suizid zu vereiteln. Bedauerlicherweise mit recht großem Erfolg: In mehr als der Hälfte aller Tumoren ist p53 zerstört. Kein Wunder also, dass viele gängige Krebsbehandlungen darauf zielen, den programmierten Selbstmord in den Tumorzellen auszulösen.

Österreichische Wissenschafter unter Leitung von Andreas Villunger vom Institut für Pathophysiologie der Uni Innsbruck machten mithilfe australischer Forscher des Walter and Eliza Hall Institute of Medical Research in Melbourne bei der Untersuchung von Apoptose fördernden Proteinen eine überraschende Entdeckung: Sie konnten nachweisen, dass zwei dieser mörderischen körpereigenen Eiweiße die Effizienz von Krebstherapien beeinflussen, berichtet das US-Wissenschaftsmagazin Science. Die beiden Moleküle heißen Puma und Noxa.

Zellen aus dem Immunsystem (Lymphozyten) und dem Gewebe (Fibroblasten) von Mäusen, von den Forschern gentechnisch derart behandelt, dass sie diese beiden Proteine nicht mehr hatten, zeigten jedenfalls "eine drastisch verringerte Sensitivität gegenüber Gammastrahlung, Zytostatika- aber auch Steroidbehandlung", resümiert Villunger die Ergebnisse. "Es wäre somit denkbar, dass das Fehlen dieser Proteine mit einem schlechten Ansprechen von gewissen Tumoren auf eine Behandlung korreliert."

Die Wissenschafter hoffen daher, dass diese Proteine künftig als "prognostische Marker" herangezogen werden können, dass mit ihnen eine Aussage über die Wirkung von Chemo- und Strahlentherapie getroffen werden kann. Weiters ist es aufgrund dieser Erkenntnisse denkbar, dass das Fehlen dieser Proteine die Entstehung von bösartigen Erkrankungen erleichtern, beschleunigen oder sogar erst ermöglichen könnte - was zur Entwicklung völlig neuer Krebsbehandlungen führen könnte. Dieser Theorie wollen die Forscher nun nachgehen. (Andreas Feiertag/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. 9. 2003)

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