Angst vor Autobahn durch das Augebiet

29. September 2003, 12:49
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Der Alarmschrei kam am "autofreien Tag": Umweltschützer fürchten den Bau einer Autobahn von der Slowakei nach Marchegg, die Trasse würde durch das Augebiet verlaufen

Marchegg - Vorerst ist es noch ein Gerücht, aber es versetzt Umweltschützer in Niederösterreich in helle Aufregung. Das slowakische Verkehrsministerium sowie das Kreisamt Bratislava sollen eine Autobahn Richtung Marchegg planen. Diese Information gehe aus "vertraulichen Unterlagen" hervor, berichtete der NÖ Naturschutzbund am Montag.

Die Bürgerinitiative Marchfeld-Marchegg (Bimm) warnt gleichfalls vor diesem Projekt, es handle sich um eine vom niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll favorisierte Straßenbrücke. Die "Marchfeldschnellstraße" nördlich der Donau soll so mit der Autobahn Bratislava-Brünn verbunden werden.

Widerspruch zu den Beteuerungen der Straßenplaner

"Diese Tatsache steht im krassen Widerspruch zu den Beteuerungen der niederösterreichischen Straßenplaner, es würde lediglich eine - vorerst provisorische - Brücke und Straße für den kleinen Grenzverkehr errichtet", ist Barbara Grabner vom NÖ Naturschutzbund verärgert. Sie forderte, dass die "Karten endlich auf den Tisch gelegt und die Anrainer nicht länger hingehalten werden".

Das Argument, es würden sich in und um Marchegg viele Firmen ansiedeln, wenn eine rasche Verkehrsverbindung in die Slowakei bestehe, erscheint Grabner als sehr zweifelhaft.

Ursprüngliche Sumpf- und Auenlandschaft

Laut Naturschutzbund seien auf slowakischer Seite viele Anrainer, aber auch Vertreter lokaler und regionaler Behörden gegen das Großprojekt, da ein wichtiges Erholungsgebiet für die städtische Bevölkerung verloren gehen könnte.

"Die slowakischen Marchauen sind eine sehr ursprüngliche Sumpf- und Auenlandschaft sowie Heimat von Wachtelkönig, Rohrdommel, Schwarzstorch, Grün-und Schwarzspecht und mehreren Fledermausarten", so Grabner.

"Lobau-Manifeste"

Prominente ehemalige Hainburg-Aktivisten - unter ihnen Freda Meissner-Blau, Bernd Lötsch und Günter Nenning, die 1984 gegen die Errichtung eines Donaukraftwerks bei Hainburg eintraten - machen sich ähnliche Sorgen um die Wiener Lobau. Mit der Präsentation des "Lobau-Manifestes" machten sie am Montag auf die Gefahr aufmerksam, die ihrer Meinung nach durch den Bau einer neuen Donaubrücke in Wien droht.

Im Zuge der Errichtung einer Wiener Nordostumfahrung ist eine sechste Donauquerung geplant. Dazu wird eine Verlängerung der A22 diskutiert. Der künftige äußere Ring um Wien von Vösendorf über Schwechat nach Korneuburg würde durch eine Autobahn durch die Au geschlossen werden. (APA, red, Der Standard, Printausgabe, 23.09.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Storchennest in Marchegg

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