Chancen des Krieges

18. Oktober 2003, 10:06
1 Posting

Der durchaus noch agile Herr mit den weißen Haaren könnte sich bald von dem Führungsjob in seinem Medienkonzern zurückziehen ...

... dem die mit Abstand größte Boulevardzeitung des Landes gehört. Zur "Befriedung" aufgebrachter Miteigentümer, die der Plan beunruhigt, er wolle einem seiner Söhne die Macht im Konzern zuschanzen.

Nein, die Rede ist da nicht von Hans Dichand und seiner Krone: Rupert Murdoch, dessen News Corp unter anderem die britische Sun gehört, überlegt laut Zeitungsberichten, den Job des Chairman abzugeben. Aber was ist schon eine Sun gegen die 43,1 Prozent Reichweite der Krone? Was sind aufgebrachte News-Aktionäre gegen eine mit dem Vorwurf von Mafiakontakten konfrontierte WAZ, der die andere Krone-Hälfte gehört?

Friedenssignale in London also, Zeichen auf Krieg in Wien.

Was haben wir vom erbitterten Machtkampf um die Krone zu erwarten? Unter dem Gesellschafterstreit könnte die Marktposition des Reichweitenriesen leiden. Das täte einem Land nicht schlecht, in dem fast die Hälfte der Bevölkerung täglich zu einem Blatt greift, das oft journalistische Ethik vermissen lässt.

Bis zur auch nur annähernden Normalisierung ist der Weg freilich weit: Die zweitgrößte Zeitung, die Kleine, lesen gerade 12,5 Prozent der Österreicher. Ihr böte die Krise Chancen zum Angriff. Die drittgrößte, mit 11,5 Prozent der Kurier, gehört aber schon wieder zum selben Konzern wie die Krone.

Setzt sich die WAZ durch, wird es auch inhaltlich spannend: Sie stieß sich mehrfach am Rechtsaußenkurs Dichands. Aber sind die gewaltigen Reichweiten auch ohne diesen zu halten? Wenn nein, stünde die strikt renditeorientierte WAZ selbst nach einem erfolgreichen Machtkampf gegen Dichand vor einem weiteren mit sich selbst: Geld oder Anstand? (DER STANDARD; Printausgabe, 23.9.2003)

Von Harald Fidler
Share if you care.