Das Altherren-Syndrom

23. September 2003, 01:00
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Dort, wo Männer alt UND mächtig sind, findet sich eine zu Fleisch und Blut gewordene Zauberformel: Jung, jünger, am jüngsten sind deren Gefährtinnen - ein Kommentar

Macht und Eros. Eros und Macht. Ein altbekanntes und vielzitiertes Paar. Überstrapaziert sogar. Was nicht davon abhalten soll, es noch einmal heran zu ziehen. Denn Macht und Eros bewegen die Welt - was wäre sie ohne die beiden, ob als Single-Erscheinungsformen oder im begehrten Duett?

Wenn auch zugegebenermaßen die "Macht des Eros" durch ihren inflationären Gebrauch, ja Missbrauch, so gut wie ausgerottet ist. Zumindest auf der Bühne der öffentlichen Zurschaustellung. Umso mehr bleibt der "Eros der Macht" unübersehbarer Sieger, mehr noch Beherrscher, des Politszenarios. Nun, so vielfältig sich dieses vermeintlich heldenhafte Siegertum auch da und dort gestalten mag, auf der Ebene des Geschlechtlichen produziert es sich unübertrefflich eindimensional. Scheint doch der "Eros" männlicher Politiker mit zunehmendem Alter anzusteigen. Anders ausgedrückt: Je älter der Politmann, desto jünger seine Gefährtin. Eine mathematisch unmögliche, dafür als typisches Paradoxon umso häufiger anzutreffende, Gleichung.

Das jüngste Beispiel lieferte Joschka Fischer. Der 55-jährige deutsche Außenminister ließ sich von Ehefrau Nummer vier, der um 21 Jahre jüngeren Nicola Leske scheiden, um aus dem neuerlichen "Jungbrunnen" einer noch jüngeren Studentin schöpfen zu können. Frau merke: So viel jünger kann eine Frau gar nicht sein, um durch ein noch jüngeres Objekt der Begierde ersetzt zu werden. Um Missverständnissen vorzubeugen sei angemerkt, dass hier keineswegs die privaten Umtriebe des Joschka Fischer zur Debatte stehen, sondern einzig der Paradefall eines sich auffällig häufenden Faktums in der Altersrelation der Geschlechter. Denn die Beispiele ließen sich endlos fortsetzen.

Nehmen wir den Fall des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (59), der ebenfalls in vierter Ehe mit der um 19 Jahre jüngeren Doris Köpf verheiratet ist, und von dem das Gerücht lanciert, eine noch jüngere Geliebte zu haben. Doch auch hierzulande exerzieren uns genügend Beispiele die Praxis: Älterer Mann bevorzugt um vieles jüngere Frau und vice versa. Bundespräsident Thomas Klestil (71) verließ seine Ehefrau Edith für Margot Löffler (44). Viktor Klima (56) zog die um 18 Jahre jüngere Sonja seiner damaligen Ehefrau vor, bis auch sie ihm zu alt war? Oder denken wir an Möchtegern-Politiker Richard Lugner (71) und seine "Mausi", Christine Lugner (37).

Was hat es mit diesem Phänomen auf sich? Ältere Männer werden so wie die meisten Menschen mit zunehmendem Alter nicht unbedingt schöner, was an den hier angeführten Beispielen deutlich wird. Aber diese Männer haben Macht, Einfluss und - nicht zu unterschätzen - Geld. Ist das der "Eros", der sie umgibt? Denn bei unbekannten, in bescheidenen bis ärmlichen Verhältnissen lebenden alten Männern tritt das Phänomen der um viele Jahre jüngeren Frau vergleichsweise selten bis gar nicht auf. Füttert die Macht das Ego also soweit, dass alternde Männer und sogar Tattergreise nicht auf die Idee kommen, sie könnten den Frauen zu alt, zu faltig, zu dickbäuchig, zu schwappelig, mit einem Wort einfach uninteressant sein? Brauchen diese Männer das junge Frauenblut so sehr, um ihre eigene schwindende Jugend und Attraktivität, ihren "Eros" aufzupeppen, d.h. zu kompensieren? Und auch vor den vergleichsweise jungen Frauen hält die Kritik nicht inne. Was bewegt sie dazu, eine Beziehung mit Männern einzugehen, die ihre Väter sein könnten? Mangelnder Selbstwert und der Wunsch nach Teilhabe an einer Macht, der nicht aufgehen kann, weil sie es sind, die (höchstens) im Schatten stehen.

Angesprochen auf die altersmäßige Kluft würden diese Paare garantiert versichern, dass frau/man sich nicht aussuchen kann, wo die Liebe hinfällt. Was haben Sie gedacht? Natürlich sind die Verhältnisse reiner Zufall, aber vor allem pure Liebe. Eigenartig ist nur, dass der umgekehrte Fall – ältere Frau mit jungem Mann – äußerst selten vorkommt, auch wenn, ich weiß schon, hier die Frauen im "Aufholen" sind. Aber dann handelt es sich garantiert um sehr attraktive Frauen. Keineswegs um solche mit Glatze, Hängebauch und Glupschaugen. Wissen Sie vielleicht, woran das liegen mag? (dabu)

23.09.2003

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    Im Bild: Albrecht Dürers "Kopfstudie nach einem alten Mann".
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