Brot und Gebäck werden teurer

28. September 2003, 18:30
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Ab Oktober ziehen die Preise fürs "Körberl" um bis zu fünf Prozent an - AK: "Nicht nachvollziehbar"

Wien - Brot und Gebäck werden ab Oktober teurer. Konsumenten müssen mit Steigerungen von bis zu 5 Prozent rechnen, teilte der Bundesinnungsmeister der Bäcker, Heinz Hofmann, am Montag mit. Die knapp 2.000 heimischen Bäcker seien auf Grund von Preissteigerungen bei Personal, Energie und Mehl, aber auch bei den Transportkosten zunehmend unter Druck gekommen. Am Feingebäcksektor haben die Bäcker mit einer drastischen Verteuerung von Ei, und - bedingt durch die hohen Ernteausfälle - von Zucker, Obst und Trockenfrüchten zu kämpfen, so Hofmann.

Ernteausfälle

Nach den Ernteausfällen bei Getreide sind die Getreidepreise um rund 3 Euro je 100 Kilogramm Mehl gestiegen. Bei Roggen dürfte der Preis noch stärker zunehmen. Eier haben sich in den vergangenen vier Wochen um mehr als ein Drittel verteuert. Zucker, Obst und Trockenfrüchte um 10 Prozent, erläuterte die Bundesinnung.

Ganz besonders unter Druck stünden die Bäcker aber bei den Personalkosten. "Die Bäcker sind ein sehr personalintensives Handwerk geworden. Der Bäcker ist nicht nur Produzent von Brot und Gebäck, sondern hat sich mit seinen Fachgeschäften auch zu einem Dienstleister für seine Kunden weiterentwickelt", betont der Bundesinnungsmeister.

Hohe Personalkosten

Die Strukturuntersuchung der Bäcker 2002 zeige diesen Trend deutlich: die Lohn- und Gehaltskosten seien in den vergangenen acht Jahren von rund 40 auf 50 Prozent angestiegen, wobei der Personalkostenanteil bei einzelnen Bäckern sogar über 60 Prozent liege. "Auf Grund dieser hohen Personaltangente wirkt sich jede Lohnsteigerung unmittelbar und massiv auf den Preis von Brot und Gebäck aus. Das gilt auch für die heurige Lohnerhöhung im Bäckergewerbe um durchschnittlich 1,7 Prozent", resümiert Hofmann.

Gestiegene Vertriebskosten

Auch die Vertriebskosten im Verkaufsgeschäft seien stark angestiegen. So betrage ihr Anteil an den Nettoerlösen bereits 38 Prozent. Vielfach rückläufige Umsätze pro Verkaufsstandort und ein Halten des Personalstandes führen zu diesem gewaltigen Kostenfaktor. Die Retourwarenanteile seien in den vergangenen Jahren durch die Sortimentserweiterungen und die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten deutlich gestiegen. Der Konsument erwarte frische Ware in großer Auswahl von früh bis spät. Nicht verkaufte Produkte belasten die Produktkalkulation der Bäcker.

Der Strukturwandel innerhalb des Backgewerbes habe sich in den vergangenen Jahren "wieder eingependelt", so Hofmann zur APA: "Die Abnahme war schon stärker". Derzeit schließen jedes Jahr rund 2 Prozent der Bäcker ihren Betrieb, hauptsächlich auf Grund von Problemen bei der Betriebsübernahme.

AK: Nicht gerechtfertigt

Für die Arbeiterkammer (AK) ist eine 5-prozentige Preissteigerung bei Brot und Gebäck "nicht nachvollziehbar und viel zu hoch gegriffen". Die Argumente der Bäcker, dass Transport-, Personal- und Energiekosten gestiegen seien, würden nicht zutreffen: Gewerbekunden hätten im Gegensatz zu Konsumenten von der Strom- und Gasmarktliberalisierung profitiert, die Energiekosten seien daher gesunken, so die AK am Montag in einer Reaktion auf die Ankündigung der Bäckerinnung.

Auch die Transportkosten in der Wirtschaftsklasse Nahrungsmittelerzeugung hätten nur einen Anteil von 2,2 Prozent, im Einzelhandel sogar nur 0,7 Prozent der Gesamtkosten, sagen die AK-Experten. Selbst die Lkw-Maut könne daher nur maximale Verteuerungen von 0,14 bzw. 0,04 Prozent bei den Konsumenten ausmachen. Hingegen seien die Löhne im Bäckergewerbe mit 1,7 Prozent nur bescheiden erhöht worden. Diese Erhöhung könne sich bei einem Lohnanteil von 50 Prozent daher maximal mit 0,9 Prozent auf die Gesamtkosten auswirken. (APA)

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