AOL-Aktionär reicht Klage gegen Time Warner/AOL wegen Fusion ein

11. Jänner 2000, 15:32

Bedingungen des Zusammenschlusses "unangemessen" - Bertelsmann-Chef zieht sich aus AOL-Board zurück - EU-Kartellwächter werden Fusion prüfen

New York/Washington/Brüssel - Ein Aktionär von America Online Inc (AOL), Dulles, hat gegen AOL und Time Warner Inc, New York, Klage wegen ihrer geplanten Fusion eingereicht. Dem Kläger zufolge sind die Bedingungen des Zusammenschlusses der beiden Unternehmen für die AOL-Aktionäre "unangemessen". Die Klage wurde beim New Yorker Staatsgericht von Gersh Korsinky eingebracht, der dabei den Status einer Gruppenklage der gesamten AOL-Aktionäre erreichen möchte.

Laut Korsinky wird den AOL-Aktionären nach der Fusion das Recht genommen werden, angemessen und anteilig an dem künftigen Wachstum und der Entwicklung von AOL beteiligt zu sein.

Mit der Klage will der New Yorker eine gerichtliche Verfügung einholen, die die Fusion verhindert. Sprecher von AOL und Time Warner standen nicht zu einer Äußerung bereit.

Bertelsmann-Chef Middelhoff will AOL-Board verlassen

Der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG, Gütersloh, Thomas Middelhoff, wird sich aus dem Board von America Online Inc (AOL), Dulles, zurückziehen, nachdem der US-Internetprovider die Fusion mit dem Bertelsmann-Konkurrenten Time Warner Inc, New York, angekündigt hat. "Man kann keinen Konkurrenten im Board sitzen haben", sagte er am Dienstag in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC auf die Frage, ob er wegen der Fusion zu einem Rückzug aus dem Board gezwungen sein könnte. Noch sei es allerdings zu früh, über den Zeitpunkt zu spekulieren. Zuvor müsse er erst noch Gespräche mit Steve Case, dem AOL-Chairman, führen.

EU-Kartellwächter werden Fusion AOL/Time Warner prüfen

Die EU-Kartellbehörden werden die angekündigte Fusion des weltgrößten Online-Anbieters AOL und des US-Medienkonzerns Time Warner untersuchen. Der Firmenzusammenschluss werde Auswirkungen auf den europäischen Markt haben, sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti zur Begründung am Dienstag in Brüssel. Auch die "Größe der beteiligten Unternehmen" mache dies notwendig. Zunächst müsse aber die kartellrechtliche Anmeldung des Vorhabens abgewartet werden. "Zu gegebener Zeit" werde dann eine Prüfung eingeleitet.

US-Behörden geben sich vorerst zugeknöpft

Die größte Fusion der Wirtschaftsgeschichte wird vor allem die US-Kartellwächter beschäftigen. Sie gaben sich nach Bekanntgabe des Vorhabens am Montag zunächst zurückhaltend. Ein Sprecher der zuständigen Behörde FTC bewertete die Fusionsnachricht lediglich als "eindeutig interessant" und stellte in Aussicht, dass mehrere Behörden in das zu erwartende Prüfverfahren einbezogen werden müssten. (APA/vwd)

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