Anklagen "in vollem Umfang" zugelassen

25. September 2003, 18:57
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Mannesmann-Affäre: Entscheidung bringt Deutsche Bank-Chef Ackermann in Nöte - Ex-IG-Metall-Chef Zwickel im Visier der Behörden

Düsseldorf - Mit der uneingeschränkten Zulassung der Anklage in der Mannesmann-Affäre steht der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann unter beispiellosem Druck. Neben dem Spitzenmanager des größten deutschen Geldhauses sind weitere Aufsichtsräte der Untreue angeklagt, darunter der ehemalige IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, Konzernbetriebsrat Jürgen Ladberg und Ex-Aufsichtsratsvorsitzender Joachim Funk. Dagegen muss der ehemalige Mannesmann-Chef Klaus Esser, der 30 Mio. Euro an Abfindungen und Prämien kassierte, nur noch wegen Beihilfe zur Untreue auf der Anklagebank Platz nehmen, wie das Landgericht Düsseldorf am Montag mitteilte.

Aktionärsschützer fordern angesichts des kommenden Prozesses eine Umverteilung der Machtbefugnisse in der Deutschen Bank. "Das deutsche Aktienrecht geht von einem Vorstandsteam aus, in dem die Aufgaben breit auf zahlreiche Manager-Schultern verteilt sind", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, der dpa. Gleichzeitig forderte die DSW Ackermann auf, sein Amt als Vorstandschef bis zum Ende des Prozesses wegen der Doppelbelastung ruhen lassen soll.

Esser hatte stets seine Unschuld beteuert und betont, sich beim Übernahmekampf mit dem britischen Mobilfunkkonzern Vodafone korrekt verhalten zu haben. Den ehemaligen Aufsichtsräten der Mannesmann AG wird vorgeworfen, durch die Genehmigung von Abfindungen, Prämien und Pensionen das Gesellschaftsvermögen um 57 Mio. Euro geschädigt zu haben. Zwickel bedauerte die Entscheidung des Landgerichts. Über die Berechtigung der Vorwürfe sei damit noch nicht entschieden, ließ er über seine Anwälte verbreiten. Am Ende des Verfahrens werde sich die Haltlosigkeit der Vorwürfe erweisen, betonte er.

Eingeschränkt hat das Gericht auch Anklagepunkte gegen den ehemaligen Aufsichtsrats-Chef Joachim Funk und Stabs-Mitarbeiter Dietmar Droste. Aber der Vorwurf der Untreue gegen Funk wurde weiter aufrechterhalten. Damit stehen Ackermann, Zwickel, Ladberg und Funk als Mitglieder des Ausschusses für Vorstandsangelegenheiten im Aufsichtsrat der früheren Mannesmann AG im Visier der Justiz.

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft erwägt unterdessen, wegen der Einschränkungen gegen den Gerichtsbeschluss vorzugehen. Insoweit Teile der Anklage nicht zugelassen worden seien, werde geprüft, bis Donnerstag sofortige Beschwerde einzulegen, teilte die Behörde am Montag mit. Über die Beschwerde hätte dann das Oberlandesgericht zu entscheiden.

Die Bankenaufsicht will nun die Entwicklung beobachten. Zunächst müsse aber abgewartet werden, wann der Prozess beginne und wie er terminiert werde, erläuterte ein Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn. Die Aufsicht dürfte sich nach Angaben von Beobachtern vor allem mit zwei Fragen beschäftigen.

Einmal gehe es darum, ob Ackermann während eines Prozesses in Düsseldorf das Unternehmen auch weiter führen und der gesetzlich verlangten Sorgfaltspflicht nachkommen könne. Außerdem könnte der Frage nachgegangen werden, was im Falle einer Verurteilung Ackermanns geschehe.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) stärkte dem Bankchef den Rücken. Ackermann genieße weiterhin das Vertrauen des Ministers, sagte eine Sprecher des Ministeriums. Auch für Ackermann gelte die Unschuldsvermutung. Zuvor hatte bereits Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) den Bankmanager vor Kritik in Schutz genommen. (APA/dpa)

Siehe

Esser: "War nur Gehilfe"
Exchef von Mannesmann sieht sich entlastet

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Deutsche Bank

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    Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (li.) und Ex-IG-Metall-Boss Klaus Zwickel

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