Risikocreme auf dem Babypo

5. Oktober 2003, 21:13
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Greenpeace hat Dutzende Kosmetika unter die Lupe genommen - Bedenkliche Inhaltsstoffe fanden sich nicht nur in Zahncremen und Seifen, sondern auch in Produkten für die Babypflege

Wien - Was haben Putzmittel, Klebstoffe und Babypflege gemein? Möglicherweise denselben Konservierungsstoff. Doch was beim Saubermachen der WC-Muschel Sinn macht, hat noch lange nichts auf Babys Pobacken verloren. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnte am Montag vor gefährlichen Inhaltsstoffen in Kosmetika.

Konkret geht es um die beiden Mittel Triclosan und Methyldibromo Glutaronitril (MDGN), die vielfach als Konservierungs- und Desinfektionsmittel eingesetzt werden. Etwa zur Desinfektion von chirurgischem Besteck, aber auch in Fugenzement und Textilien. Gesundheitliche Risken (siehe Wissen) seien seit Jahren bekannt, kritisierte Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster. Trotzdem hat er MDGN etwa in "Baby Pflegecreme Gesicht und Körper" (Penaten), "Antiaging Waschlotion" (Savo Derm), "Body Milk Iso Balance" (Fenjal) und in "Schwangerschaftscreme" (Milupa) gefunden.

"Völlig unbegreiflich"

Triclosan wiederum ist Bestandteil von vielen Zahnpasten, darunter "3-fach Schutz plus" (blend-a-med), "Total" (Colgate), "integral fresh" (Mentadent) und Seifen wie "Flüssigseife antibakteriell" (Palmolive) und "Naturkosmetik Ringelblumenseife" (Styx). Die vollständige Liste ist auf der Greenpeace-Homepage nachzulesen oder kann unter (0662) 65 77 77 telefonisch angefordert werden.

Alle Produkte sind in Märkten für den Hausgebrauch zu haben. "Es ist völlig unbegreiflich, warum gefährliche Stoffe in bestimmten Babycremes eingesetzt werden, in anderen Cremes derselben Herstellerfirma aber nicht. Gerade Kleinkinder sind durch Kontaktallergene gefährdet", warnte der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter.

Manche Produkte, etwa die "Naturel-Zahncreme" von Vademecum oder Seife von Styx, werden seit kurzem ohne die inkriminierten Mittel hergestellt, allerdings sind noch große Restbestände auf dem Markt. Greenpeace fordert den sofortigen Verkaufsstopp und in allen anderen Fällen eine Änderung der Rezepturen.

EU-Chemikalienrecht

Hintergrund der Greenpeace-Aktion ist, dass die EU noch in diesem Jahr ein neues Chemikalienrecht beschließen soll. Derzeit sind in der Union rund 103.000 verschiedene Stoffe registriert, die meisten davon sind aber in den Augen der Umweltschützer zu wenig erforscht. So sei bei acht von zehn Chemikalien nicht einmal bekannt, ob sie Krebs auslösen könnten. Die seit 1998 geführte Debatte auf EU-Ebene ist allerdings heftig umstritten. Die Pharmaindustrie befürchtet den Verlust von Millionen von Arbeitsplätzen. SPÖ-Umweltsprecherin Ulli Sima fordert, dass Österreich eine Vorreiterrolle in strenger Chemikalienpolitik übernehmen solle. (simo, DER STANDARD, Printausgabe, 23.09.2003)

  • Greenpeace ist schockiert: Es ist völlig
unbegreiflich, warum MDGN nach wie vor in Babycremes
eingesetzt wird
    foto: photodisc

    Greenpeace ist schockiert: Es ist völlig unbegreiflich, warum MDGN nach wie vor in Babycremes eingesetzt wird

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