Swiss gibt Lufthansa einen Korb

28. September 2003, 20:06
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Die Swiss hat sich für die Allianz Oneworld rund um die British Airways entschieden - Die AUA sieht darin Vorteile beim Osteuropageschäft

Wien – Seit ihrem Start im März 2002 wollte die Swiss Oneworld-Mitglied werden, scheiterte bisher aber immer am Widerstand der British Airways (BA). Dass der Wind in London nun zugunsten der Schweizer gedreht hat, dürfte weniger an den Leistungen der Eidgenossen liegen. Es wird vielmehr darauf zurückgeführt, dass der von der BA lang favorisierte Allianzpartner KLM sich jüngst endgültig aus den Verhandlungen mit den Briten verabschiedete und sich für die Air France und ihrem Skyteam entschied.

Swiss, die von vielen Schweizern noch immer als Nationalsymbol betrachtet wird, verspricht sich von dieser Lösung mehr unternehmerische Freiheit und Eigenständigkeit, als dies im Fall eines Schulterschlusses mit Lufthansa möglich gewesen wäre. Die Lufthansa meinte, das Vorhaben sei an der Haltung der Swiss-Investoren gescheitert, die nicht bereit gewesen seien, die wirtschaftlichen Voraussetzungen zu schaffen.

100 Millionen Euro

Den direkten kommerziellen Nutzen aus der neuen Allianz bezifferte Swiss mit 100 Mio. Franken (64,4 Mio. Euro) pro Jahr. BA und Swiss haben zudem eine Absichtserklärung unterzeichnet, der zufolge die beiden Gesellschaften eine strategische Allianz gründen wollen. Swiss-Konzernchef Andre Dose, dem die Lufthansa-Lösung lieber gewesen wäre, sich in den Gremien aber nicht durchsetzte, sagte auf einer Pressekonferenz, mit der Genehmigung dieses Joint Ventures durch die Wettbewerbsbehörden werde in sechs bis acht Monaten gerechnet. BA werde acht von insgesamt 14 Slots (Start- und Landerechte) der Swiss am Londoner Flughafen Heathrow erhalten und im Gegenzug eine Kreditgarantie über 50 Mio. Franken für die Swiss übernehmen. Was das konkret bedeuten soll, ist unklar, denn Slots können nur getauscht aber nicht "verkauft" werden.

Auch die beiden Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse haben frisches Geld in Aussicht gestellt. Zugleich liefen Gespräche mit weiteren Kreditgebern, darunter auch Großaktionären. Der Bund und der Kanton Zürich halten zusammen über 30 Prozent an der Airline. Die Swiss verbrennt Schätzungen zufolge monatlich etwa 50 Mio. Schweizer Franken; die zwei Mrd. Franken, die Staat, Banken und Wirtschaft bei Gründung der Gesellschaft eingeschossen haben, gehen zur Neige. Ende Juni verfügte Swiss noch über 800 Mio. Franken Liquidität. Daraus müssen auch die Kosten der schon eingeleiteten Restrukturierungen von etwa 200 Mio. Franken beglichen werden. Um weiterfliegen zu können, braucht die Swiss bis Jahresende 500 Mio. Franken neues Geld.

Flughafenhoffnung

Der Flughafen Zürich Kloten hofft, ein neues Drehkreuz im Oneworld-Netz zu werden und von den Mitgliedern verstärkt genutzt zu werden. Flughafen-Wien-Chef Herbert Kaufmann macht sich deshalb keine Sorgen, weil Wien strategisch besser liege und mit der Hälfte der Transferzeit von rund 25 Minuten auskomme. Die AUA verweist auf ihr Spezialgebiet Osteuropa, wo sie mit 34 Destinationen Marktführer unter den europäischen Airlines ist. Sie hat bereits bisher zahlreiche Destinationen, aus denen sich Swiss verabschiedete, aufgestockt. (Claudia Ruff, DER STANDARD Printausgabe, 24.9.2003)

  • Die Swiss will in der Oneworld aufgehen und -leben.
    montage: derstandard.at

    Die Swiss will in der Oneworld aufgehen und -leben.

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