Der Rohstoff im Radioapparat

28. September 2003, 21:05
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Der Umweltdienst Burgenland und KERP gewinnen Werte aus Elektro-Schrott

Egal ob man es aus dem Blickwinkel des Umweltschutzes oder des Rohstoffverbrauchs betrachtet - dass alte Elektro-geräte wie Radios, Fernsehapparate oder Handys zuerst im Hausmüll und dann auf der Deponie landen, war Experten schon lange ein Dorn im Auge. Diesem Zustand abhelfen soll nun die im Februar 2003 beschlossene "EU-Richtlinie über die Entsorgung von Elektronikaltgeräten": Ab August 2005 müssen alle Mitglied-staaten für die Sammlung, Verwertung und Entsorgung von Elektro-Altgeräten sorgen.

Um an die wertvollen Bestandteile von Elektrogeräten zu gelangen, müssen sie zerlegt werden. In der Vergangenheit geschah das meist händisch - so auch beim Umweltdienst Burgenland, der dazu mit einem Umschulungszentrum für Arbeitslose kooperierte.

Präzise trennen

Da aber die Hersteller gemäß der neuen Richtlinie für die Entsorgung von Altgeräten aufkommen müssen, wächst der Druck hin zur Entwicklung mechanischer Systeme.

Im Burgenland kann man nun bereits erste Erfolge in der Entwicklung eines solchen Verfahrens für Metalle und Kunststoffe vorweisen: Bisher scheiterten die Systeme an der (annähernd) präzisen Trennung der einzelnen Material-komponenten.

Die Lösung der Burgenländer: Sie kombinierten Muskelschmalz mit Mechanik und setzen beispielsweise die Farberkennung ein, um Kunststoffe automatisiert sortieren zu lassen. Die "Überbleibsel" der Sortierung sind jetzt so rein, dass Plastikteile alter Elektrogeräte zu neuen Produkten wie Dachziegeln verarbeitet werden können.

Der Umweltdienst ist Partner des Wiener Kompetenzzentrums für Elektro-Altgeräte-Recycling und nachhaltige Produktentwicklung (KERP), daher können seine Erkenntnisse jetzt auch von allen anderen Mitgliedern genutzt werden.

In den nächsten fünf Jahren sollen vollautomatische Erkennungs- und Separationstechnologien entwickelt werden. Der bittere Beigeschmack: Wie es mit dem Umschulungszentrum und den dort beschäftigten Menschen weitergeht, steht in den Sternen. (ez/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 9. 2003)

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