Gib Windows noch eine Chance!

11. Jänner 2000, 10:09

Programm SecondChance speichert Momentaufnahmen des PC-Systems - Einfache Wiederherstellung nach dem Crash

Frankfurt/Main - Nie wieder ist ein Windows-System so sauber wie unmittelbar nach der Erstinstallation auf einer frisch formatierten Platte. Mit jedem neuen Programm wird die Registry, die zentrale System-Datenbank, ausgeweitet. Oft bleiben Einträge auch dann erhalten, wenn das Programm wieder gelöscht wurde. Und manchmal kann ein Computerspiel oder andere garstige Software das System so sehr "zerschießen", dass gar nichts mehr läuft. Rettung verspricht da das Hilfsprogramm SecondChance der amerikanischen Firma PowerQuest.

Anstatt das Betriebssystem neu einzurichten und mindestens einen halben Tag mit der Installation aller Programme zu verbringen, will dieses Werkzeug Windows noch einmal eine Chance geben: Es kann den Computer in einen früheren Status zurück versetzen, als er noch gut funktioniert hat. Um bei Bedarf zu einer solchen Zeitreise aufzubrechen, werden so genannte Checkpoints gesetzt: Momentaufnahmen der Systemkonfiguration und aller Dateien der Festplatte - mit Ausnahme der Daten, die von vornherein als temporär gekennzeichnet sind wie auch der Daten im Zwischenspeicher (Cache) des Internet-Browsers.

Die Zusammenfassung der gesamten Windows-Architektur und der Festplatten-Dateistruktur lässt sich überschaubar unterbringen: Für eine zu drei Vierteln gefüllte Zwei-Gigabyte-Platte werden etwa neun MB benötigt. Die Checkpoints lassen sich gezielt verwalten, so dass die Systemzustände vor einer größeren Software-Installation konserviert werden können.

Wer Windows automatisch an bestimmten Tagen sichern will, kann auch eine Obergrenze für den benötigten Plattenplatz eintragen. Dann werden stets die jeweils ältesten Checkpoints gelöscht - was allerdings dann nicht sinnvoll ist, wenn man den Zustand unmittelbar nach der Erstinstallation erhalten will.

Die einzelnen Checkpoints können auch eingesehen werden: Das Programm markiert dann diejenigen Dateien, die seitdem neu hinzugekommen sind oder geändert wurden. Da das Programm automatisch in den Arbeitsspeicher geladen wird und dann im Hintergrund tätig wird, registriert es auch Veränderungen zwischen zwei Checkpoint-Aufnahmen. Mit etwa 90 KB im Arbeitsspeicher ist das Programm für den Anwender kaum spürbar.

Dann ist der Tag des Ernstfalls da: Wenn das System nicht mehr startet, kann natürlich auch SecondChance nicht aufgerufen werden. Jetzt kommt die Notfalldiskette zum Einsatz, die nach der Installation der Software angelegt wurde: Mit ihr wird der Rechner im DOS-Modus neu gestartet. Anschließend wird von der Diskette das Programm crestore.exe gestartet. Auf dem Bildschirm erscheint ein grafisches Menü, in dem die gespeicherten Checkpoints aufgelistet sind und ausgewählt werden können.

Nach der Bestätigung mit der Enter-Taste arbeitet der Computer einige Minuten vor sich hin und kann dann neu gestartet werden - mit der ausgewählten Systemkonfiguration. Auch einzelne Dateien lassen sich wieder herstellen. Erst wenn mutwillig unter DOS der gesamte Windows-Ordner gelöscht wird, stößt die Software an ihre Grenzen - die Startdatei win.com bleibt verschollen. (AP)

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