Forschungsrat: Bahn darf nicht Vorrang vor Forschung haben

14. Oktober 2003, 20:03
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Gorbach sichert FWF mehr Geld zu

Während Infrastrukturminister Hubert Gorbach alle Hände voll zu tun hat mit der ÖBB-Reform, droht ihm bei der Neustrukturierung der Forschungslandschaft ein Debakel. Denn derzeit scheint nicht einmal ein ministerielles Dach für "seine" Fördergesellschaften möglich.

Wien - Nicht nur die große, ressortübergreifende Forschungsgesellschaft, in der sämtliche Förderinstrumente gebündelt werden, scheint derzeit völlig unrealistisch, sondern auch die vom Infrastrukturministerium angepeilte "kleine". Denn das Finanzministerium habe für die Forschungsfirma eine so genannte Sondervermögensregelung, wie es sie vergleichbar in der Pensionsversicherung gibt, abgelehnt, erfuhr DER STANDARD aus dem Ministeriums.

Ohne Sondervermögensregelung wäre aber die Autonomie in der Fördermittelvergabe gefährdet, weil die Geschäftsführer der Ges.m.b.H die Entscheidungen vornähmen und haften müssten.

Wie berichtet, sollten in diese Ges.m.b.H, der Forschungsförderungsfonds FFF, die Technologie Impulse Gesellschaft TIG, das Büro für internationale Technologiekooperationen (BIT) und die Austrian Space Agency (ASA) eingebracht werden. Der auf Grundlagenforschung spezialisierte Forschungsfonds war nach heftigem Widerstand nicht mehr Teil dieser Pläne, er sollte autonom bleiben.

Infrastrukturminister Hubert Gorbach lasse als Alternative nun eine Sondergesellschaft ("sui generis") oder eine Fondslösung prüfen, heißt es. Diese müsste kein neues Gebilde sein, sondern könnte auch ein um neue Aufgaben erweiterter FFF sein. Auf jeden Fall soll die Lösung gemeinsam mit den anderen Ressorts erarbeitet werden.

Im Nacken sitzt Gorbach auch der Forschungsrat. Der machte in seiner Sitzung am vergangenen Mittwoch Druck, noch heuer vom Mittel der Budgetüberschreitung Gebrauch zu machen, damit die 180 Technologie-Millionen (Euro) nicht zugunsten zu knapper Regelbudgets fehlgeleitet werden müssten. Außerdem dürfe die "leise Bahn" nicht Vorrang vor der Forschung haben.

Forschungsrats-Vorsitzender Knut Consemüller wollte dies nicht kommentieren, nur so viel: "Wir haben in Alpbach gelernt: Nullrunden sind schädlich, weil sie insbesondere Demotivierend sind." (Luise Ungerboeck)

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Wien - Der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) erhält noch mehr zusätzliches Geld als erwartet. Durch Umschichtungen im Infrastrukturministerium könne man das FWF-Bewilligungsvolumen von 75,9 auf 100 Mio. Euro leicht erhöhen, betonte Infrastrukturminister Hubert Gorbach am Wochenende. Vor einer Woche hatte es noch geheißen, der FWF bekäme nur 13 Mio. Euro Aufstockung, DER STANDARD berichtete. Gorbach will damit ein "deutliches Signal" für den hohen Stellenwert der Grundlagenforschung in der Forschungspolitik setzen.

Allerdings dürfte es sich beim höheren FWF-Budget nicht um "echtes Geld", sondern um Vorgriffe auf 2004 handeln. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 9. 2003)

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