Georgien verärgert Vatikan

22. September 2003, 20:02
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Abkommen über Rechte der katholischen Minderheit geplatzt

Rom - Nach einem geplatzten Abkommen über die Rechte der römisch-katholischen Minderheit in Georgien stehen die Beziehungen der ehemaligen Sowjetrepublik und der orthodoxen Kirche zum Vatikan vor einer schweren Belastungsprobe.

Der Heilige Stuhl protestierte am Wochenende in scharfer Form gegen die Weigerung der georgischen Regierung, die Vereinbarung über die Sicherung religiöser Freiheiten für die Katholiken zu unterzeichnen. Ein Vertreter des Vatikans sprach von einem "ernsten" Vorfall.

Die Regierung in Tiflis ließ die Unterzeichnung in letzter Minute platzen, nachdem es zu Demonstrationen orthodoxer Christen gegen die Vereinbarung gekommen war. Der Außenminister des Vatikans, Erzbischof Jean-Louis Tauran, war eigens zur Unterzeichnung des Abkommens nach Georgien gereist und kehrte unverrichteter Dinge wieder zurück.

Bei seinem Abflug aus Tiflis erklärte Tauran, er bedauere, dass das Ziel seiner Reise durch den Sinneswandels der georgischen Regierung in letzter Minute durchkreuzt worden sei. Der Vatikan sei tief verletzt von der Haltung der orthodoxen Kirche Georgiens.

Der Patriarch der orthodoxen Kirche Georgiens, Ilja II., hatte sich stets gegen die Vereinbarung mit dem Vatikan zum jetzigen Zeitpunkt gewandt. Seine Kirche wirft dem Vatikan vor, seinen Einfluss zulasten der orthodoxen Christen ausdehnen zu wollen. Das Abkommen hätte die georgische Regierung verpflichtet, den katholischen Christen die freie Religionsausübung zu garantieren sowie katholische Schulen zuzulassen. (AP, red/DER STANDARD/Printausgabe, 22.9.2003)

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