Hoon übernimmt die Verantwortung

23. September 2003, 14:29
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Britischer Verteidigungsminister genehmigte Preisgabe von Kellys Namen

London - Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon hat erstmals die persönliche Verantwortung für die Enttarnung des Waffenexperten David Kelly als BBC-Informant für einen umstrittenen Irak-Bericht übernommen. Bei seiner zweiten Anhörung vor dem Kelly-Untersuchungsausschuss sagte Hoon am Montag in London, er habe die Strategie abgesegnet, wonach das Ministerium Journalisten, die von selbst auf Kelly als Medienquelle kommen würden, den Namen bestätigen sollte. Noch bei seiner ersten Anhörung Ende August hatte Hoon jede Verantwortung zurückgewiesen. Auch der frühere Regierungsberater Alastair Campbell sagte ein zweites Mal vor dem Ausschuss aus.

Im Kreuzverhör durch die Anwälte der Familie Kelly und der BBC vermied Hoon das Eingeständnis eines Fehlers. Seine Regierung habe nichts Falsches getan, betonte der Verteidigungsminister. Er fügte hinzu, er habe seine Zustimmung zu einem "einzigen kleinen Detail" eines entsprechenden Arbeitsdokuments seiner Behörde gegeben: "Wenn ein Journalist den richtigen Namen sagt, dann soll er bestätigt werden". Andernfalls hätte sein Sprecher die Journalisten anlügen oder aber eine Stellungnahme verweigern müssen, was zu Verdächtigungen anderer geführt hätte.

Dossier nicht gesehen

Nach Angaben Hoons informierte ihn sein ranghöchster Beamter Kevin Tebbit am Tag vor Bekanntwerden von Kellys Namen über die Vorbereitung eines Dokuments mit möglichen Fragen und Antworten, das der Presseabteilung des Ministeriums an die Hand gegeben werden sollte. Hoon betonte jedoch, er habe das Dossier nicht gesehen.

Die Weitergabe von Kellys Namen als Quelle für einen BBC-Bericht über ein umstrittenes Irak-Dossier der britischen Regierung gilt als eine der zentralen Punkte der Affäre um den Experten, der sich das Leben nahm. Bei seiner ersten Anhörung hatte Hoon ausgesagt, in seinem Ministerium seien keine "bewussten Anstrengungen" zur Offenlegung von Kellys Namen unternommen worden. Von einer Anweisung an seine Pressesprecher, den Namen auf Nachfrage zu bestätigen, wollte der Minister damals nichts gewusst haben.

In dem fraglichen BBC-Bericht hatte der Reporter Andrew Gilligan der Regierung vorgeworfen, ein Irak-Dossier über angebliche Massenvernichtungswaffen mit fragwürdigem Geheimdienstmaterial aufgebauscht zu haben. Zehn Tage, nachdem Kelly öffentlich als Informant identifiziert worden war, nahm er sich das Leben. Laut seiner Ehefrau fühlte sich der Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums von seinem Arbeitgeber verraten.

Der früherer Kommunikationschef von Premierminister Tony Blair, Campbell, erklärte am Montag, sein "politischer Instinkt" habe ihm gesagt, dass die BBC-Anschuldigungen den Ruf der britischen Regierung "sehr ernst beschädigen" würden. Auch er musste als eine weitere Schlüsselfigur in der Kelly-Affäre erneut vor dem von Lordrichter Brian Hutton geleiteten Ausschuss aussagen.

Gilligan hatte Campbell dafür verantwortlich gemacht, dass das entsprechende Regierungsdossier "sexier" gestaltet worden sei, um den Irak-Krieg zu rechtfertigen. Im Mittelpunkt stand dabei die Behauptung, die irakische Regierung sei in der Lage, innerhalb von 45 Minuten Massenvernichtungswaffen einzusetzen. Campbell hatte Ende August seinen Posten als Regierungsberater aufgegeben. (APA)

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BBC

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    Geoff Hoon muss sich dem Kreuzverhör stellen.

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