Stahlaktien haben derzeit kaum Fantasie

30. September 2003, 12:34
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Analystenschätzungen überwiegend "neutral"

Österreicher, die sich für Aktien interessieren, haben's schwer. Als Steuerzahler müssten sie daran interessiert sein, dass der Staat einen möglichst guten Preis für seine Voest-Aktien erzielt. Als Aktienanleger sind sie freilich auf Schnäppchen aus, möchten selbst mit Voest-Aktien Geld verdienen. Also freuen sie sich über einen günstigen Ausgabekurs und haben diesen mit 32,50 auch erhalten.

Wie passt der Emissions-kurs ins Bild? Da gehen die Meinungen doch ziemlich auseinander. Während Wirtschaftstreuhänder von einem Wert von 60 Euro sprechen, allerdings den Zeithorizont nicht genau definieren, sehen Aktienanalysten mehrheitlich das derzeitige Kursniveau neutral, Voest mit rund 33 Euro also fair bewertet. Auch wenn gerne mit Buchwerten der Voest von über 40 Euro geworben wird.

Erholung vorweggenommen

Immerhin stechen einige Fakten klar ins Auge: Zunächst einmal sind die Kurse vieler Stahlwerte in den letzten Monaten mit dem Markt ziemlich hoch gelaufen. Damit ist viel von der erwarteten wirtschaftlichen Erholung vorweggenommen. Obgleich der Aufschwung sich noch nicht recht zeigen will.

Gerade die Auftragsdaten der Stahlindustrie sehen eher dürftig aus. Positive Prognosen könnten damit zusehends längerfristigen Charakter erhalten. Auch Fabian Kania, Stahl-Analyst bei der Helaba in Frankfurt, bewertet die Chancen der Stahlbranche neutral.

"Wichtig ist jetzt, dass ein wirtschaftlicher Aufschwung erkennbar wird. Zurzeit ist das noch nicht so richtig der Fall. Zusätzlich macht der schwache Dollar den europäischen Anbietern zu schaffen."

Arcelor recht gut aufgestellt

Er sieht Branchenführer Arcelor recht gut aufgestellt, weil hier hohes Synergiepotenzial bestehe. Für ThyssenKrupp ist er skeptisch. "Die sind noch zu dick, haben noch zu viel Speck in einigen Bereichen." Demgegenüber sind die Österreicher Voest und Böhler-Uddeholm mit ihren Hausaufgaben bereits manchen Konkurrenten voraus.

Mit dem Investitionsprogramm Linz 2010 will die Voest weitere wichtige Schritte setzen, die allerdings im Geschäftsjahr 2004/05 nach Schätzung einiger Analysten den Gewinn pro Aktie (vorübergehend) stutzen dürften.

Im Bewertungsvergleich liegen die Österreicher mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von (KGV) 10,5 (Voest) bzw. zehn (Böhler) zwischen Thyssen (11,4) und Arcelor (7,5).

Bei der Dividendenrendite sticht Edelstahl-Spezialist Böhler mit 4,8 Prozent gegenüber den Stahlkochern (3,5 bis 3,8 Prozent) deutlich hervor. Obwohl: Mit 3,8 Prozent hat auch die Voest ein Argument mit guten laufenden Einkünften für Anleger. (Nikolaus Dolenz, Der Standard, Printausgabe, 22.09.2003)

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