Politik für die Wirtschaft ohne Ideologie

22. September 2003, 19:31
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Bayerns Wandel vom Agrar- zum Hightechland

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber spult die Details wie im Schlaf herunter: Seit 1994 hat Bayern zusammen mit Baden-Württemberg die niedrigste Arbeitslosenzahl (auch wenn sie stark ansteigt), die Wirtschaftskraft ist am höchsten, die Bayern haben die geringsten Schulden je Einwohner, investieren am meisten und locken die größte Zahl ausländischer Unternehmen an.

Die Zahlen bestreitet Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Instituts, nicht. Aber er weist darauf hin, dass Bayern von "günstigen Umständen" profitiert habe. So habe Siemens nach dem Krieg seinen Sitz von Berlin nach München verlegt. Von 1950 bis 1986 haben Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hamburg und Hessen 3,4 Mrd. € ins Land gepumpt - die CSU weist nur darauf hin, dass seit 1993 zwei Mrd. € aus Bayern in den Finanzausgleich geflossen sind.

CSU-Übervater Franz Josef Strauß setzte zudem schon frühzeitig auf zukunftsweisende Technologien, vor allem die Luftfahrt. "Bayern ist direkt vom Agrarland auf die Hochtechnologie gesprungen", beschreibt der Chef der Unternehmensberatung McKinsey Deutschland, Jürgen Kluge, den Wandel.

"Das Verdienst der bayerischen Politiker ist, dass sie die glücklichen Zufälle nutzten und mit einer wirtschaftsfreundlichen Politik begleitet haben, ohne ideologische Bedenken", fasst Der Spiegel das bayerische Wirtschaftswunder zusammen. (DER STANDARD/Printausgabe, 22.9.2003)

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