Ulrich Seidl wird Diagonale boykottieren

Redaktion, 21. November 2003, 19:16
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    foto: apa/epa/ansa/claudio onorati

    Ulrich Seidl im September 2001 auf den Filmfestspielen von Venedig, wo er für 'Hundstage' den Großen Preis der Jury gewann

Der österreichische Filmregisseur hofft auf Solidarität und Vernunft - Stellungnahmen auch von Michael Haneke und Barbara Albert

Wien - Der prominente österreichische Filmregisseur Ulrich Seidl wird seine Filme nicht auf der Diagonale präsentieren. "Ich habe immer gesagt, dass ich dafür bin, die Diagonale zu boykottieren. Dazu stehe ich auch", meinte Seidl in einem Gespräch mit der APA.

Es mache keinen Sinn, mit der neuen Diagonale-Leitung einen Dialog zu suchen: "Es wird keine Gemeinsamkeit gewollt, sondern eine Spaltung der Branche." Und: "Was (Kunststaatssekretär Franz, Anm.) Morak hier installiert hat, gehört der Lächerlichkeit preisgegeben. Das wird blamabel!"

Seidl sieht in der Installierung einer neuen Diagonale-Leitung einen "politischen Willkürakt, dem man nicht zusehen kann." Was von dieser bisher bekannt geworden wäre, sei "fachlich ahnungslos", der neue Preis in einer "unglaublichen Höhe" diene dazu, Produzenten zur Teilnahme zu ködern.

Zu den im STANDARD angekündigten Intiativen (siehe die nebenstehenden Links, Anm.) meinte Seidl, noch sei ihm keine Unterschriftenliste vorgelegt worden. Auch zu den Überlegungen einer Gegen-Veranstaltung möchte er sich noch nicht äußern: "Aber man kann nur hoffen, dass hier die Solidarität und Vernunft siegen und wir gemeinsam sagen: So kann man mit uns nicht umgehen."

Reaktionen von Haneke und Albert

Auf Nachfrage der APA bezüglich der STANDARD-Texte erklärte Österreichs prominentester Filmregisseur Michael Haneke am Samstag: "Ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, dass ich meine Filme nicht auf der Diagonale zeigen werde." Er wende sich dabei keineswegs gegen die neue Leitung, die er persönlich gar nicht kenne, sondern gegen den Umstand des "Abwürgens und Umdrehens" eines erfolgreichen Festivals gegen den Willen der Filmszene. Von der Unterschriftenliste wisse er noch nichts.

Barbara Albert, deren jüngster Streifen "Böse Zellen" soeben als österreichischer Beitrag für den Auslands-Oscar ausgewählt wurde, erklärte, sie kenne den kursierenden Text noch nicht im Detail, halte es aber für wichtig - auch gemeinsam mit ihren KollegInnen der Produktionsfirma coop 99 - möglichst eine gemeinsame Haltung dazu zu entwickeln. "Ich denke aber, ich werde das unterschreiben."

Zum Vorschlag eines Gegenfestivals erklärten Albert und Haneke gleichlautend, zum jetzigen Zeitpunkt sei es noch zu früh, über Sinnhaftigkeit oder Details konkrete Aussagen zu machen. (APA/red)

Service

"Es gibt keinen gemeinsamen Tisch!"
Viennale-Direktor Hans Hurch im Interview


"Diagonale wird nicht anerkannt"
Reaktionen und ein Kommentar der Filmemacherin Ruth Beckermann


Terminhinweis

Am Montag, 22.9., 19:00, findet im Wiener Kulturzentrum Depot eine Podiumsdiskussion zum Thema statt.

Teilnehmen werden die neu eingesetzten Diagonale-Leiter Miroljub Vuckovic und Tillmann Fuchs, Brigitta Burger-Utzer von sixpack-film und Anna Maria Kollmann vom Dachverband der Filmschaffenden; es moderiert Stefan Grissemann (Profil).

Depot, Wien 7., Breite Gasse 3
depot.or.at
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