Gehrer: Mehr Nachmittagsbetreuung

26. September 2003, 14:48
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Bildungsministerin kündigt neues Angebot in Schulen und Geld für Unis an - Opposition: Zu wenig - Mit Kommentar

Wien - Bis 2006 sollen zusätzlich 10.000 Kinder eine Nachmittagsbetreuung in den Schulen bekommen, kündigte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (VP) in der "Pressestunde" an. Derzeit werden rund 45.000 Schülerinnen und Schüler ganztags betreut, das Angebot soll also um 20 Prozent gesteigert werden.

Grundsätzlich habe sie nichts gegen die Ganztagsschule, so Gehrer: "Man soll das Thema nicht ideologisch sehen, sondern als Frage des Bedarfs." Die Ganztagsschule sei ein "Angebot an die Eltern", die Wahlfreiheit haben sollten, ihre Kinder nachmittags selbst zu betreuen oder es der Schule zu überlassen.

Betroffene entscheiden

Die Entscheidung liege auch bei den Betroffenen selbst, also in den Schulgemeinschaftsausschüssen, die eingebunden werden sollten. Das freut besonders den steirischen VP-Landesgeschäftsführer Andreas Schnider, der die Debatte über die Ganztagsschule neu entfacht hat. Er sieht sich nun im Konsens mit Gehrer: "Ich nehme die Einladung zur Mitarbeit gerne an."

FP-Bildungssprecherin Mares Rossmann ist es hingegen zu wenig, die Schulen allein über Nachmittagsbetreuung entscheiden zu lassen. Sie will die Anwesenheitspflicht der Lehrer an den Schulen auf 30 Stunden erhöhen.

Von einer Gesamtschule für zehn- bis 14-jährige Kinder hält Gehrer nach wie vor nichts. Diese sei ein "alter Hut", auf den sie keine neuen Bänder aufsetzen wolle. Die Frage von STANDARD-Redakteurin Martina Salomon, ob in Wirklichkeit nicht der Finanzminister die Bildungspolitik diktiere, verneinte Gehrer kategorisch. Man solle sich doch nicht "von einigen organisierten Erregern den Blick auf die Gesamtheit trüben lassen". Die Universitäten seien ausreichend dotiert und sollen noch heuer bis zu 15 Millionen Euro für die Umstellung auf das neue Universitätsgesetz sowie für steigende Personalkosten erhalten.

Opposition: Zu wenig

Der Opposition reicht das nicht. Mindestens 100 Millionen Euro seien allein heuer für den Universitäts- und Forschungsbereich erforderlich, meinte SP-Wissenschaftssprecher Josef Broukal. Der Grüne Bildungssprecher Dieter Brosz warf Gehrer vor, die Verantwortung für die schwache finanzielle Ausstattung der Universitäten auf die Rektoren abzuschieben.

Keine Kandidatin

Abseits der Bildungsfragen sprach sich Gehrer gegen ein Vorziehen der Steuerreform aus, wie es die FPÖ gefordert hat. Auf andere politische Ambitionen angesprochen, meinte Gehrer, sie sei weder eine Kandidatin für die Präsidentschaft noch für den Vorsitz im ÖAAB. Die von ihr ausgelöste Wertediskussion hält sie als "Wegweiser in die Zukunft" für notwendig. (kob)

Gehrer zur Kultusgemeinde

Gehrer wurde in der Pressestunde auch zur tristen finanziellen Situation der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) befragt. Die Ministerin blieb bei ihrer bereits in der Vorwoche vorgegebenen Meinung, wonach jene Mittel, die man der IKG zugesagt habe, an die Gelder aus dem Allgemeinen Entschädigungsfonds gebunden seien. Anders sieht Moshe Jahoda, der Leiter der Opferorganisation Claims Conference in Österreich, die Sache: Es sei "juristisch und moralisch ungerechtfertigt", einen Darlehensvertrag für die IKG mit Geldern aus dem Entschädigungsfonds zu verknüpfen, sagte er.

Muzicant: Falschinformation

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, hat Gehrer Falschinformation im Zusammenhang mit den IKG-Finanzen vorgeworfen. Weder habe die IKG die zugesagten neun Millionen Euro der Bundesländer erhalten, noch andere finanzielle Hilfe Österreichs. Den Entschädigungsfonds, der für die betagten Opfer des Holocaust gedacht sei, finanziell "auszuräumen", lehnt die IKG ab. (kob/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.9.2003/APA)

Kommentar

In Gehrers Welt - Von Samo Kobenter

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    Elisabeth Gehrer

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