Hainzls Vater ist nicht gut auf den Werksleiter zu sprechen

23. Jänner 2000, 13:34

"Wir sind angelogen worden"

MEDIEN-INTERESSE
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Ein Paparazzo-Polizist soll den 25-Jährigen zurück nach Leoben "gelockt" haben
Leoben - Mit weiteren Einvernahmen wurde heute, Freitag, der Strafprozess im Landesgericht Leoben fortgesetzt: "Wir sind angelogen worden", ließ Georg Hainzls Vater Johann wissen, dessen Sohn erst nach zehn Tagen wie durch ein Wunder aus dem Lassinger Bergwerk gerettet werden konnte. Und auch Anrainer, deren Häuser in dem Krater versanken, übten Kritik an der Werksleitung.

Speziell auf Werksleiter Hermann Schmidt ist Johann Hainzl offensichtlich nicht gut zu sprechen. "Ich hab' ihn nicht anschauen können", ließ er nach seiner Einvernahme einige Journalisten wissen. Noch im September 1998 hätten Firmenverantwortliche beteuert, es habe im Stollen keinen Talkabbau über dem Niveau der Jausenstation gegeben. Heute wisse man, dass dies nicht der Wahrheit entsprach, so Hainzl senior.

Der Tag der Katastrophe

Im Detail schilderte der Vater den 17. Juli 1998, den Tag der Katastrophe: Zu Hause kam ihm das Gerücht vom Wassereinbruch im Stollen zu Ohren. Am Ort des Geschehens musste er erfahren, dass sein Sohn eingeschlossen war. Er hatte noch Gelegenheit, mit Georg telefonisch in Kontakt zu treten. "So, jetzt bin i eingschlossn. Jetzt muss i verreckn."

Gegen 14.00 Uhr habe ihm Schmidt mitgeteilt: "Den Georg kriegen wir unten nimmer. Es geht nur mit Bohren." Laut Hainzl senior stellte der Werksleiter spätestens um 15.00 Uhr fest, es sei "für meine Leute zu gefährlich, runter zu fahren". Doch später erfuhr er, dass sich zehn Kumpel in die Grube begeben hatten, um seinen Sohn zu bergen.

"An richtigen Einsatzleiter hat's, glaube ich, gar net geben."

"Wer war Einsatzleiter?", wollte Richter Andreas Haidacher wissen. "An richtigen Einsatzleiter hat's, glaube ich, gar net geben." Den zweiten Schlamm- und Wassereinbruch in der Lassinger Grube beschrieb der Zeuge in kurzen Worten. "Wir haben nur noch Leute umeinanderlaufen g'sehen. Die Leute haben g'schrien."

Gottfried T., ein 41-jähriger Bergmann, erlebte den zweiten Schlammeinbruch hautnah mit: "Da hat's Pfeifen ang'fangt." Bald danach sei der Kontakt zu den zehn Kumpeln abgebrochen. Mit den Worten des Augenzeugen klang das so: "Plötzlich hat's das Seil ziemlich schnell zruck, obi, und dann is es g'rissen. Wir sind alle miteinand g'flüchtet aussi."

Bernhard G., ein 58-jähriger Pensionist, und seine Frau hörten am 17. Juli 1998 "ein Geräusch, wie wenn's brennt". Dann sahen sie, wie sich ihr in der Nähe der Lassinger Grube gelegenes Haus zur Seite neigte. "Ich hab' glaubt, i tram. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass die Erde lautlos verschwindet", erklärte der Pensionist dem Leobener Richter. Das Haus seines Nachbarn versank in weiterer Folge gleich zur Gänze im Krater. Sein eigenes Heim wurde derart in Mitleidenschaft gezogen, dass es später abgerissen werden musste.

Vorgeschichte

Es habe in den Wochen und Monaten vor dem Unglück immer wieder Erschütterungen gegeben. Der Pensionist wurde beruhigt. Die Erdbewegungen seien auf den neu errichteten Hochwasserkanal zurückzuführen, hieß es angeblich. Weil das nicht alle zufrieden stellte, wurden schließlich Vermessungen angeordnet und durchgeführt. Mit den Ergebnissen kalmierte man die aufgeregten Lassinger.

Mittlerweile deutet alles darauf hin, dass Richter Andreas Haidacher aus den Feststellungen des Montanistik-Professors Johann Golser Konsequenzen ziehen wird. So behauptete dieser u.a., dass in Lassing nicht das Felsdach durchgebrochen, sondern der Spalt im Fels ausgespült worden sei.

Der Richter will Ende nächster Woche offiziell bekannt geben, ob die von Golser zur Untermauerung seiner Hypothesen vorgeschlagenen ergänzenden Bohrungen vorgenommen werden. Die Weichen scheinen jedoch bereits in diese Richtung gestellt: Der Richter hat seine Sachverständigen beauftragt, mit Golser in Kontakt zu trenne, was auch schon geschehen ist. (APA)

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