Die Bevölkerung hat Mitleid mit dem Brandstifter

13. Jänner 2000, 10:13

Einvernahme des mutmaßlichen Täters, der unter Selbstmordgefahr steht

Foto: APA/Rubra
HINTERGRUND

Ein "Pyromane wie im Lehrbuch"
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"Dank für übermenschliche Leistungen"


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Eine Chronologie der Brandlegungen


Freude und Enttäuschung nach Klärung der Brandserie

Linz - Bei den Brandstiftungen von St. Georgen im oberösterreichischen Mühlviertel hat die Gendarmerie ihre Ermittlungen abgeschlossen, jetzt wartet viel Arbeit auf das Gericht. Am Mittwoch begann eine Serie von Lokalaugenscheinen, bei der alle 13 vom Tatverdächtigen gelegten Brände genau rekonstruiert werden. Der Jugendliche selbst wirkt nach außen hin "cool", es wurden aber trotzdem Vorkehrungen getroffen, da Selbstmordgefahr besteht.

Der 16-jährige Lehrling hat noch am gestrigen Dienstag seine Geständnisse bezüglich der 13 von ihm gelegten Brände vor der Untersuchungsrichterin wiederholt. Es gab dabei keine Abweichungen zu seinen Angaben vor der Gendarmerie und auch die volle Übereinstimmung mit den Spuren und Fakten von den einzelnen Brandobjekten, so ein Ermittler. Inzwischen wurde auch offiziell die Untersuchungshaft über den 16-Jährigen verhängt.

Gezündelt, "weil in St. Georgen ohnehin nie etwas los ist"

Nach wie vor Rätsel geben die Motive auf, die den Burschen zum mutmaßlichen Brandstifter werden ließen. Er selbst machte bisher gegenüber den Gendarmen eher "oberflächliche" Angaben. So sagte er am Dienstag noch, er habe gezündelt, "weil in St. Georgen ohnehin nie etwas los ist".

Bei den Befragungen machte er den Eindruck, "gut drauf" zu sein. Die Gendarmen vermuten aber, dass sich der Jugendliche sehr wohl der Tragweite dessen bewusst ist, was er getan hat. Es wurden daher auch entsprechende Vorkehrungen getroffen, um zu verhindern, dass er sich etwas antut.

Die Nacht auf Mittwoch verbrachte der Bursche in einem Verwahrungsraum am Gendarmerieposten St. Georgen. Man hatte ihm vorher den Hosengürtel und die Schuhbänder abgenommen, außerdem gab es stündliche Kontrollen. "Er hat ruhig geschlafen, es ist nichts Ungewöhnliches geschehen", so die Gendarmerie Mittwoch Vormittag. Fest steht inzwischen, dass der mutmaßliche Brandstifter keine anderen Straftaten begangen hat. Es gibt auch keine ungeklärten Vorfälle im Raum St. Georgen.

Die Lokalaugenscheine begannen am Mittwochvormittag unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen, die Gendarmerie riegelte die entsprechenden Bereiche ab. Mit Zwischenfällen seitens der Bürger der Gemeinde rechnete man aber nicht mehr, weil die Stimmung in der Bevölkerung seit Bekanntwerden der Identität des Tatverdächtigen spürbar umgeschlagen hat: Vor der Ausforschung des Brandstifters hatten die betroffenen Bewohner noch massive Wut gezeigt, jetzt hingegen dominiert das Mitleid mit dem erst 16-Jährigen.

Lokalaugenscheine bestätigten bisherige Erkenntnisse

Heute wurden die bisherigen Erkenntnisse der Gendarmerie und auch die Geständnisse des 16-Jährigen durch die Lokalaugenscheine am Mittwoch voll inhaltlich bestätigt.

Die Gerichtskommission unter Leitung von Untersuchungsrichterin Heike Sild vom Landesgericht Linz fuhr mit dem Tatverdächtigen - der von seinem Anwalt Kurt Lichtl begleitet wurde - alle 13 Brandorte ab. Der Lehrling zeigte ruhig und emotionslos, wie er die Feuer seit Oktober des vergangenen Jahres gelegt hat. Am frühen Nachmittag waren die Lokalaugenscheine abgeschlossen, der mutmaßliche Brandstifter wurde ins landesgerichtliche Gefangenenhaus Linz eingeliefert.

Die Grünen Oberösterreichs appellierten in diesem Zusammenhang am Mittwoch in einer Aussendung an die Justiz, "angesichts der Jugend" des Tatverdächtigen, "nicht dessen Zukunft zu zerstören und eine Strafe mit Augenmaß zu finden". Das Rechtsbedürfnis der Gesellschaft müsse "in diesem Fall in den Hintergrund, Erziehungshilfe für den gestrauchelten Jugendlichen in den Vordergrund treten", forderte die die Grün-Landtagsabgeordnete Doris Eisenriegler. (APA/red)

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