Kreisky-Nostalgie in Krems

29. September 2003, 21:04
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Weggefährten erinnerten sich an den "Sonnenkönig" - Ausstellung im Karikaturmuseum

Krems - In einer Diskussionsmatinee anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "Der Sonnenkönig - Das Phänomen Bruno Kreisky" im Karikaturmuseum Krems erinnerten sich am Samstag prominente Zeitzeugen und Wegbegleiter des legendären österreichischen Kanzlers. Fazit von Ex-Innenminister Karl Blecha: "Kreisky hat die österreichische Sozialdemokratie verändert, aber nicht nachhaltig genug."

Die Diskussion bot einen differenzierten, doch insgesamt durchaus positiven Rückblick auf die Ära Kreisky, die von 1970 bis 1983 Österreichs politische Landschaft prägte. Gerd Bacher, einstiger ORF-Generalintendant: "Damals passierte es Österreich nicht, sich in jedem Land vorstellen zu müssen". Zur von Blecha genannten "geringen Nachhaltigkeit" der Ära Kreisky meinte Bacher: "Alle seine Nachfolger waren zu klein". In seiner Mischung aus Eloquenz, Bildung und Weltläufigkeit hätte Kreisky wohl ein "prachtvoller Leitartikler" sein können, so Bacher, allerdings: "Nur seine Nachfolger waren noch schlechtere Wirtschaftspolitiker als er".

Anekdoten

Kreiskys langjähriger Sekretär Johannes Kunz, der das Podiumsgespräch moderierte, steuerte einige Anekdoten bei. So habe Kreisky seinerzeit vor Journalisten anlässlich der Debatte um die Straffreiheit für Homosexuelle geäußert: "Wenn's der Broda nur nicht zur Pflicht macht..."

Als ÖVP-Generalsekretär hatte Sixtus Lanner Kreisky einst durch Kritik an dessen Haus in Mallorca gekränkt. Kreisky verweigerte Lanner daraufhin den Händedruck. Als es sich einmal doch nicht vermeiden ließ, habe der Kanzler gebrummt: "Kommt nicht von Herzen, mach ich nur für die Medien". Lanner nennt Kreisky heute dennoch einen "großen Österreicher".

Architekt und Karikaturist Gustav Peichl sah in Kreisky ein "großartiges Opfer" für Karikaturisten. Der Kanzler habe selbst fundierte Kenntnisse über Karikaturisten gezeigt, an deren Arbeiten Anteil genommen und immer wieder auch sensibel darauf reagiert. Heute hingegen sei Österreich geprägt von einer "dahindümpelnden" Regierung und einer Opposition, die sich noch immer in ihre Rolle einübe, merkte Peichl an.

"Kreisky hat Österreich außenpolitisch in eine Lage gebracht, wo er in Europa und darüber hinaus eine einmalige Stellung einnahm", befand Ex-Botschafter Fritz Hoess. In der österreichischen Bevölkerung sei der Wert der Neutralität damals gleichsam als "Ersatz-Mariazell" verankert gewesen, so Hoess.

Als "Politiker von Weltformat", der "zu groß für Österreich gewesen" sei, würdigte Karl Blecha den "Sonnenkönig". Blecha verteidigte auch die oftmals angegriffene Schuldenpolitik Kreiskys ("Der Schuldenstand war der drittniedrigste der Welt") und erinnerte an Kreiskys Motto: "Wer in die Politik geht, muss die Menschen gern haben". Blecha: "Das geht mir heute sehr oft ab." (APA)

"Der Sonnenkönig. Das Phänomen Bruno Kreisky" im Karikaturmuseum Krems, 3500 Krems-Stein, Steiner Landstraße 3a, Ironimus-Kabinett. Öffnungszeiten: täglich 10.00 bis 18.00 Uhr. Ausstellungsdauer: 20. September 2003 bis 31. Mai 2004. Information: Tel. 02732/908020, karikaturmuseum.at
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