Aufräumen nach der Katastrophe "Isabel"

29. September 2003, 11:09
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Hurrikan-Bilanz an der US-Ostküste: Kein Strom, kein Trinkwasser, 29 Todesopfer, Überflutungen und Schäden in Milliardenhöhe

Schäden in Milliardenhöhe, 29 Todesopfer: Das sind die Folgen des Hurrikans "Isabel". Millionen Menschen in den USA waren und sind ohne Strom, die Pizzalieferanten haben Saison.


Washington - "Es wird wahrscheinlich Wochen, vielleicht Monate dauern bis die Stadt aufgeräumt ist", sagt der Bürgermeister von Poquoson in Virginia, Gordon Helsel. "Das ist hier die reine Verwüstung", bilanziert er nach dem Durchzug des Hurrikans "Isabel".

Die Zahl der Menschen, die im Wirbelsturm ums Leben kamen, lag bis zum Wochenende bei 29. Sie starben bei Verkehrsunfällen oder durch umstürzende Masten und Bäume. Tage nach dem verheerenden Orkan waren an der Ostküste der USA noch etwa drei Millionen Menschen ohne Strom. Mehr als eine Million Amerikaner mussten ohne Trinkwasser aus der Leitung auskommen.

"Isabel" zerbrach die Masten zahlreicher Überlandstromleitungen. Vorübergehend waren sogar sechs Millionen Menschen ohne Elektrizität. Tausende Reparaturarbeiter sind in den Katastrophengebieten von North Carolina, Maryland und Virginia und in der Hauptstadt Washington im Einsatz.

Besonderes begehrt sind wegen der Stromknappheit derzeit Batterien, Taschenlampen, Kerzen und - Pizza. Weil die Öfen ohne Strom nicht funktionieren, haben die Pizzalieferanten Saison.

Starke Batterien für Lampen sind seit Tagen ausverkauft. Trotz ständig neuer Lieferungen sind sie stets im Nu vergriffen. Einige Supermärkte verkaufen pro Kunde nur begrenzte Mengen an Taschenlampen und Batterien. Begehrt sind auch billige, altmodische Kabeltelefone.

Mehr als eine Million Menschen in North Carolina mussten auch am Samstag ihr Leitungswasser abkochen. Die Behörden hatten die Bürger zu dieser Vorsichtsmaßnahme aufgerufen, weil eine Verschmutzung der Trinkwasserreservoire und der Leitungen nicht ausgeschlossen werden konnte.

In zahlreichen Orten an der Ostküste standen viele Stadtteile und einzelne Häuser unter Wasser. Die Aufräumungsarbeiten konnten dort nicht sogleich in Angriff genommen werden, da zahlreiche Straßen blockiert waren.

Schwere Überflutungen gab es in Baltimore, Annapolis und Alexandria und auf dem Luftwaffenstützpunkt Langley im Süden Virginias. "Ich glaube, dass viele Leute in unserer Straße ausziehen müssen", sagte eine Hausbesitzerin in Poquoson.

"Floyd" war teurer

Der Sturmschaden wurde von Experten auf zwei Milliarden Dollar geschätzt. Dennoch sprachen die Behörden laut CNN von einem relativ geringen Schadensumfang, weil der Hurrikan recht schnell übers Land gezogen sei. Virginias Gouverneur Mark Warner allerdings nannte "Isabel" den "wahrscheinlich schlimmsten" Hurrikan für seinen US-Staat "in einer ganzen Generation". Die Statisitker rechnen vor: "Floyd" im Jahr 1999 kam teurer, er verursachte Schäden in einer Höhe von etwa vier Milliarden Dollar.

US-Präsident George W. Bush erklärte nach North Carolina und Virginia auch Maryland zum Katastrophengebiet. Das eröffnet die Möglichkeit, zu Finanzhilfen des Bundes zu kommen.

Immerhin in Washington läuft das Leben inzwischen einigermaßen normal. Im Garten des Weißen Hauses gab es nach einem Bericht des Fernsehsenders CBS nur geringe Schäden: Ein Baum sei auf ein Blumenbeet gestürzt. Rund um das Washington-Denkmal in der Parkanlage der "Mall", seien etwa 50 US-Flaggen beschädigt worden. (dpa, Reuters/ DER STANDARD, Printausgabe, 22.9.2003)

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    Auch Maryland wurde zum Katastrophengebiet erklärt - Downtown Baltimore ist komplett überflutet.

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    Momentaufnahme aus North Carolina

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