Amerika im "Krieg mit Frankreich"

29. September 2003, 16:48
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Aus einem Kommentar des US-Star-Kolumnisten Thomas L. Friedman in der "New York Times"

Es ist an der Zeit, dass wir Amerikaner uns über eine Sache klar werden: Frankreich ist nicht mehr nur unser widerspenstiger Verbündeter. Auch nicht unser eifersüchtiger Rivale. Frankreich wird Amerikas Feind.

Wenn man sich vor Augen führt, wie Frankreich vor dem Irakkrieg agierte (als es den UN-Sicherheitsrat daran hinderte, Saddam Hussein ein wirkliches Ultimatum zu stellen, das den Krieg vielleicht hätte verhindern können), wenn man daran denkt, wie es sich während des Krieges verhalten hat (als etwa sein Außenminister Dominique de Villepin es ablehnte, auf die Frage zu antworten, was ihm lieber wäre: dass Amerika den Krieg gewinnt oder Saddam?) und wenn man sich anschaut, welche Positionen Frankreich heute vertritt (Forderung nach einer Art symbolischen Übertragung der Souveränität des Irak an eine hastig zusammen gezimmerte provisorische Regierung, wobei die restliche Demokratisierung nicht mehr unter Kontrolle der USA sondern der zerstrittenen UNO ablaufen soll), dann kann man wohl nur einen Schluss ziehen: Frankreich will, dass Amerika im Irak scheitert.

Ich habe keinen Zweifel, dass es eine kohärente irakische Autorität, die die Macht übernehmen könnte, in absehbarer Zeit geben wird. Und der Versuch, eine zu erzwingen, würde zu gefährlichen in internen Konflikten führen und den Aufbau genau jener demokratischen Institutionen verhindern, die der Irak so dringend benötigt.

"Die Welt"

Der in Wien geborene und 1938 nach London emigrierte Publizist und Verleger Lord Weidenfeld warnt in der "Welt" vor einer weiteren Verschärfung des Diskussionsklimas im Zeichen eines "hysterischen Antiamerikanismus" und hofft am Vorabend des Dreiertreffens Chirac-Schröder-Blair auf eine Vermittlerrolle Deutschlands.

Wenn Monsieur de Villepin den Amerikanern den Führungsanspruch abspricht, sie zum "Abschreiben" ihrer materiellen und seelischen Kosten in diesem Konflikt auffordert und dies nicht nur als erste Runde in einem politischen Kuhhandel sieht, sondern daran festhält, betritt er gefährliches Terrain. Deutschlands Rolle bei der Wiederherstellung einer transatlantischen Interessengemeinschaft bestünde darin, die Draufgänger in Paris und Brüssel zu beschwichtigen. (DER STANDARD, Printausgabe, 20./21. 9.2003)

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