Kripo ermittelt in sechs Todesfällen

26. September 2003, 18:50
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Es wird auf fahrlässige Tötung ermittelt - nach aufgedeckten Missständen in Pflegeheimen werden dort bald fünf Institutionen prüfen

Wien - Die Kriminalpolizei konzentriert sich jetzt auf sechs ungeklärte Todesfälle im Otto-Wagner-Spital. Ursprünglich waren neun nicht nachvollziehbare Fälle bekannt geworden. Es fand nun ein erster Lokalaugenschein im Spital statt. Ernst Geiger, Leiter der Kriminaldirektion 1 erklärt im STANDARD-Gespräch, dass man bei den Toten versuche, den Weg "von der Einlieferung bis zum Tod nachzuvollziehen". Untersucht wird, ob fahrlässige Tötung vorliegt, Mordverdacht sei unbegründet. Geiger weist Vergleiche mit den Morden, die 1989 vier Krankenschwestern durch "Mundpflege" begangen hatten, zurück.

"Auffällige Häufung"

Wie berichtet, hat ein Gerichtsmediziner neun ungeklärte Todesfälle, die sich zwischen Jänner und August dieses Jahres auf der Baumgartner Höhe ereignet hatten, zur Obduktion zugewiesen bekommen und von einer "auffällige Häufung" gesprochen.

Heinz-Eberhard Gabriel, ärztlicher Direktor im Otto-Wagner-Spital, verweist nochmals darauf, dass die verstorbenen Patienten auf verschiedenen Abteilungen gewesen seien und unterschiedliches Personal Dienst hatte. Einzige Gemeinsamkeit: Alle Toten waren mehrfach drogenabhängig und verstarben in den frühen Morgenstunden. Vorerst sieht der ärztliche Direktor keinen Grund am Pflegesystem im Otto-Wagner-Spital etwas zu ändern.

Kontrolle total Todesfälle auf der Baumgartner Höhe, ungewaschene und unzureichend betreute Pfleglinge im Geriatriezentrum "Am Wienerwald", ungeklärte Verantwortung - das Gesundheitsressort ist arg gebeutelt. Als Reaktion darauf wurden Kontrollen verordnet. Demnach werden sich in den Wiener Pflegeheimen die folgenden fünf Institutionen die Klinke in die Hand geben: das Kontrollamt, ein U-Ausschuss zur Klärung der Verantwortung, die Gesundheitsbehörde im Magistrat, ein Pflegeanwalt und die interne Revision der Spitalsverwaltung.

FPÖ wünscht sich jährlich eine "Pflegemilliarde" Von allen Seiten werden nun Forderungen erhoben, die Pflegesituation in Wien zu verbessern. VP-Seniorensprecherin Ingrid Korosec und Elisabeth Seidl von der Pflegeforschung an der Uni Linz verlangen eine bessere Ausbildung - die allerdings im Bund geregelt werden müsste. FP-Gesundheitssprecherin Karin Landauer wünscht jährlich eine "Pflegemilliarde" - in Euro. Man sollte sämtliche Subventionen einfrieren, um Pflegeheime baulich aufzurüsten. (Andrea Waldbrunner, DER STANDARD Printausgabe 20/21.9.2003)

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