"Gehirnatlas" übersiedelt

24. September 2003, 11:26
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Genomtechnologie kommt aus Geldmangel nicht in Deutschland, sondern in den USA zum Zuge

Hannover - Eine neue Genomtechnologie aus dem Max-Planck-Institut in Hannover kommt aus Geldmangel nicht in Deutschland, sondern in den USA zum Zuge. Das von Instituts-Leiter Gregor Eichele entwickelte, weltweit erste Projekt zur Erfassung der Aktivitäten aller rund 30.000 Gene im Gehirn von erwachsenen Mäusen dient als Grundlage für ein neurowissenschaftliches Institut in Seattle, wie das Max-Planck-Institut für experimentelle Endokrinologie am Freitag in Hannover mitteilte.

Rund 88,6 Millionen Euro aus der Paul-Allan-Stiftung fließen nach Angaben von Eichele in das am 16. September eröffnete Institut in den USA, das die Hirnforschung revolutionieren solle. Das Max-Planck-Institut in Hannover werde 2005 aus Geldmangel geschlossen. "Wir können den Vorsprung, den wir hier hatten, nicht ausnützen. Deutschland ist wie ein Entwicklungsland. Die Veredelung geschieht nicht hier", sagte der Professor.

Erhoffte Erkenntnisse

Bei der großen Ähnlichkeit der Genome von Maus und Mensch verspreche er sich von einem vollständigen "Gehirnatlas" der Maus weit reichende Erkenntnisse über die Funktion von Genen im Gehirn und damit auch die Entdeckung neuer Medikamente für Gehirnerkrankungen. Der "Gehirnatlas" solle die Forschungen über Erkrankungen wie Alzheimer, Schizophrenie und Depressionen weiter voranbringen. "Ich bedaure sehr, dass eine hier entwickelte Technologie in Deutschland nicht zum Einsatz kommt", sagte Eichele. Er werde im Göttinger Max-Planck-Institut weiterarbeiten.

Der Biochemiker und Molekularbiologe Eichele bemüht sich nach eigenen Angaben bisher vergeblich um Forschungsgelder in Höhe von 15 Millionen Euro für die Entwicklung eines zweiten "Gehirnatlas" des sich entwickelnden Gehirns der einwöchigen Maus. (APA/AP)

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