Neue Gäste braucht das Land

24. September 2003, 15:51
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Die Sommerdepression in der Tourismuswirtschaft dürfte jetzt bald ausgestanden sein - Der Herbst zieht nämlich wieder verstärkt Gäste ins Land

Wien - Bis vor kurzem hatten Konjunkturflaute, ein verspäteter Ferienbeginn in Deutschland und der schwache US-Dollar den heimischen Hoteliers noch den Angstschweiß auf die Stirn getrieben. Der könnte nun bald vom Herbstwind getrocknet werden. Touristiker gehen nämlich auf STANDARD-Anfrage davon aus, dass der "Katastrophensommer" mit seinen flauen Nächtigungszahlen im Juni und Juli überwunden ist. Der August und ein sich abzeichnender erfolgreicher Herbst scheinen das Minus nämlich noch in ein leichtes Plus zu drehen. So prognostiziert das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) "nun doch noch ein Umsatzplus von ein bis zwei Prozent."

Und auch der Chef der Österreich Werbung (ÖW), Arthur Oberascher, hofft, dass es gelingt, "das Rekordergebnis des Vorjahres doch noch einigermaßen zu erreichen". Mit Blick auf die kommenden Jahre peilt der oberste Werbetrommelrührer für Österreichs Berge und Seen jedenfalls einen "verbesserten Internationalisierungsmix an." Soll heißen: Die starke Fokussierung der österreichischen Hoteliers auf die deutschen Gäste (45,8 Prozent) soll abgemildert und die Risikostreuung verbreitert werden. Was eine hohe Abhängigkeit von den Gästen aus dem deutschsprachigen Raum bewirken kann, hat heuer vor allem Tirol negativ erlebt, wo 60 Prozent der Gäste aus dem Nachbarland kommen. Die neue deutsche Ferienregelung bescherte den Tiroler Hoteliers im Zeitraum Mai bis Juli schlagartig ein Minus von fast vier Prozent bei den Nächtigungen.


Doppelstrategie

Oberascher will deshalb "eine Doppelstrategie fahren", deren Ziel eine Optimierung von Nah- und Fernmärkten sein soll. Einerseits will man die klassisch starken Nahmärkte mit hohem Stammgästeanteil weiter durch kontinuierliches Marketing intensiv bearbeiten. Andererseits sollen vor allem Gäste aus den EU-Beitrittsländern Ungarn, Tschechien und Polen für Österreich gewonnen werden.

Bereits im vergangenen Jahr zeichnete sich nämlich ab, dass die Alpenrepublik mit den Gästen aus Zentral- und Osteuropa ordentliche Nächtigungszuwächse (Ungarn: + 9,1 Prozent, Polen: + 6,3 Prozent, Tschechische Republik: + 3,7 Prozent) erzielen konnte. Als weitere Hoffnungsmärkte gelten die Ukraine, Rumänien, die Baltischen Staaten, China, Indien und die arabischen Länder. Im Visier hat man außerdem Südostasien, wo die Lungenerkrankung Sars freilich heuer noch die Reiselust vieler asiati- scher Gäste erheblich gedämpft hat.

Oberascher verweist jedenfalls darauf, dass mehr als 70 Prozent der Wertschöpfung der Tourismuswirtschaft vom Erfolg der Internationalisierung abhänge, da Gäste aus Fernmärkten und solche, die zum ersten Mal in ein Land reisen, bis zu hundert Prozent mehr (200 Euro) als andere Touristen ausgeben.


Mehr Budget erwartet

Freilich werde es noch fünf bis sechs Jahre dauern, bis ein optimaler Nationenmix in der heimischen Gästestruktur erreicht werden kann. Entsprechende Werbeaktivitäten will der Bund jedenfalls mit rund einer Million € stützen. Außerdem geht Oberascher davon aus, dass die ÖW 2004 ein höheres Budget als heuer (46 Mio. €) zur Verfügung haben wird. Der Tourismus ist der größte heimische Devisenbringer. Der Dienstleistungssektor, wo der Tourismus dazu gehört, erwirtschaftet 17 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). (Monika Bachhofer, Der Standard, Printausgabe, 20.09.2003)

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    Nach einem schlechten Start im Frühsommer zeichnet sich nun doch noch ein leichtes Plus ab

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