Hintergrund: Vehikel für die Kernaktionärsschaft

22. September 2003, 20:13
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Funktion der Umtauschanleihe

Wien - Die ÖIAG hat in der Nacht zum Freitag auch ihre 15-prozentige Umtauschanleihe achtfach überzeichnet unter Hedgefonds und Investmentfonds platziert.

Damit hat sie 245 Mio. Euro erlöst. Die Aktien bleiben aber im Besitz der ÖIAG. Die Fonds haben damit das Recht erworben, 2006 ihre Anteile zu einem Preis von 41,275 Euro ausbezahlt zu bekommen. Ob diese Tilgung in bar oder in Aktien stattfindet, kann sich die ÖIAG aussuchen. In der Zwischenzeit erhalten sie niedrige Zinszahlungen (Kupon) von rund 1,5 Prozent.

Damit wurden in Österreich erstmals Aktien in Kombination mit einer Umtauschanleihe verkauft. Konstruiert wurde diese Anleihe von Klaus Hessberger, Spezialist bei JP Morgan, der Umtauschanleihen schon für die Deutsche Regierung und für die Telekom Austria gestrickt hat.

Eine solche Umtauschanleihe sei, erklärt er im Gespräch mit dem STANDARD, die einzige Möglichkeit gewesen, den Auftrag einer österreichischen Kernaktionärsschaft zu erfüllen. Denn die 15 Prozent Aktien bleiben ja drei Jahre bei der ÖIAG. Zum ambitionierten Kursziel von über 41 Euro meint er, dass die 245 Mio. mit dreiprozentiger Verzinsung angelegt seien. Damit lukriere die ÖIAG einen Zinsgewinn und habe die Chance, an Kurssteigerungen und Dividenden der Aktien zu partizipieren.

Was aber, wenn der Aktienkurs der Voest 2006, zum Zeitpunkt der Tilgung, sehr weit unter den 41,275 Euro liegt? Dann muss die ÖIAG den Fonds nämlich die Differenz in Cash auszahlen. Das könnte die ÖIAG teuer kommen. Hessberger gesteht zu, dass dies eine ungünstige Variante sei, allerdings: "Die 245 Millionen sind ja schon eingenommen und veranlagt." (kbau, Der Standard, Printausgabe, 20.09.2003)

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