Milosevic wegen Mord und Mordversuch angeklagt

21. September 2003, 17:06
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Milosevic in Serbien wegen Mord am serbischen Ex-Präsidenten Ivan Stambolic angeklagt - Prozess in Den Haag weiter unterbrochen

Belgrad/Wien - Dem ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic droht nun auch in Serbien ein Gerichtsverfahren. Wie der staatliche serbische TV-Sender RTS am Freitagabend meldete, wird gegen Milosevic am Dienstag eine gemeinsame Anklage wegen Mordes am serbischen Ex-Präsidenten Ivan Stambolic und Mordversuchs am Vorsitzenden der oppositionellen SPO, Vuk Draskovic, erhoben.

Die Anwältin von Milosevic, Sanja Pejovic, erklärte, dass es nach den letzten Ermittlungen "keinen einzigen Beweis im Sinne einer Anklageerhebung" gegen den Ex-Präsidenten gebe. Hingegen sagte der Anwalt der Familie Stambolic, Nikola Barovic, es habe Hinweise gegeben, dass die Anklage bereits früher hätte erhoben werden können. Jedoch hätten die breit angelegten Polizei-Ermittlungen ("Sablja"/Säbel) nach dem Mord am serbischen Premier Zoran Djindjic am 12. März dieses Jahres dies zunächst verhindert.

Stambolic, der einstige politische Ziehvater von Milosevic, war im August 2000 von Mitgliedern der Spezialpolizeieinheit "Rote Barette" gekidnappt und ermordet worden. Sein Leichnam wurde erst Ende März dieses Jahres im Rahmen der Aktion "Sablja" entdeckt. Die Staatsanwaltschaft hatte Ende April Strafanzeigen gegen Milosevic und weitere Personen, Ex-Mitarbeiter des serbischen Staatssicherheitsdienstes, eingereicht. Milosevic hatte Anfang August im Gefängnis des UNO-Kriegsverbrechertribunals seine Anhörung in der Causa Stambolic durch Belgrader Ermittler abgelehnt und in einem offenen Schreiben an Belgrader Medien seine Verwicklung in die Ermordung von Stambolic bestritten.

"Unzulässig hoher Blutdruck"

Der Prozess gegen den früheren jugoslawischen Staatschef Slobodan Milosevic vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ist am Freitag wegen Gesundheitsproblemen des Angeklagten erneut unterbrochen worden. Milosevic hatte bereits am Donnerstag eine längere Verhandlungspause wegen "seit acht Tagen unzulässig hohen Blutdrucks" beantragt. Der Senatsvorsitzende Richard May hatte allerdings erst für Montag einen Pausetag geplant.

Der Prozess gegen Milosevic musste seit Beginn im Februar 2002 bereits zehn Mal unterbrochen werden, da der Angeklagte Gesundheitsprobleme angab. Dadurch gingen bisher mehr als 50 Prozesstage verloren. Der Ex-Staatschef, der inzwischen auch zwölf Kilo abgenommen hat, lehnt es ab, einen Verteidiger zu bestellen. Milosevic hatte wiederholt auch eingehende ärztliche Untersuchungen abgelehnt.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Bild aus besseren Tagen: Ivan Stambolic mit Slobodan Milosevic

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