Ruinen im Amazonasbecken entdeckt

19. September 2003, 12:52
posten

Stamm mit hoher technischer und architektonischer Entwicklung

Washington - Das Amazonasbecken in Südamerika war schon vor etlichen hundert Jahren, noch vor der Ankunft von Christoph Kolumbus in der "Neuen Welt", dicht besiedelt und Zentrum einer hoch entwickelten, komplexen Kultur. Wie das Fachmagazin "Science" in seiner jüngsten Ausgabe berichtete, entdeckten Forscher in den tropischen Wäldern die Ruinen ausgedehnter Siedlungen, Straßen und Brücken.

Die Vorfahren des Stammes der Kuikuro am Oberlauf des Xingo, eines Zulaufs des Amazonas, hätten als hoch entwickelte Zivilisation gelebt, erklärte der Wissenschafter Michael Heckenberger. Anders als frühere Studien nahe legten, handelte es sich bei den damals mehreren Tausend Einwohnern nicht um lose Gruppen, die umherzogen oder in versprengten einzelnen Ortschaften lebten. Der Stamm habe vielmehr eine hohe technische und architektonische Entwicklung aufgewiesen und ein vernetztes System von Dörfern und Ortschaften errichtet, sagte Heckenberger.

Lehmbau

Während andere präkolumbianische Kulturen wie die Maya oder Azteken enorme Städte und Pyramiden aus Stein errichteten, hätten die Amazonas-Leute ihre Ortschaften und Straßen aus Lehm gebaut. Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände wurden den Forschern zufolge aus Holz und Knochen hergestellt.

Die zahlreichen relativ kleinen Ortschaften, in denen insgesamt zwischen 2.500 und 5.000 Menschen lebten, seien durch präzise geplante, schnurgerade und im gleichen Winkel zueinander verlaufende Straßen miteinander verbunden gewesen. Bisher wurde in dem von den Forschern untersuchten Gebiet nur ein kleiner Teil des Wegesystems freigelegt. Heckenberger vermutete, dass die Straßen die gesamte Region verbinden und eine Art Gitterraster bilden.

Überreste einer über einen breiten Fluss gespannten Brücke, von Obstplantagen und Äckern im tropischen Urwald seien weitere Hinweise auf eine komplexe Kultur, so die Forscher. Vermutlich von den europäischen Seefahrern eingeschleppte Krankheiten wie Pocken und Masern löschten die präkolumbianische Bevölkerung jedoch bald größtenteils aus. (APA/AP)

Share if you care.