Grasser und ÖIAG-Michaelis mit Privatisierung zufrieden

19. September 2003, 19:01
13 Postings

Gibt Mut für weiter Entstaatlichungen - Zweite Börsenplatzierung der Voest für den Finanzminister ein Erfolg: Unternehmen endgültig von "staatlichen Fesseln befreit"

ÖIAG-Vorstandsdirektor Peter Michaelis zeigte sich am Freitag "zufrieden" mit dem Ergebnis des jüngsten voestalpine-Privatisierungsschrittes. Daraus fasse man Mut für weitere Privatisierungsaktionen.

Die ÖIAG sei für die nächsten drei Jahre, die Laufzeit der Voest-Umtauschanleihe, mit den vorerst behaltenen 15 Prozent am Stahlriesen nach wie vor Garant für den Kernaktionär, "sodass wir in Summe hier über 25 Prozent Kernaktionärsstrukturen haben".

Erfolg durch Inseratenkampagne

Obwohl bei der Börseplatzierung nur 3,3 Prozent an Kleinaktionäre gegangen sind, bezeichnete Michaelis im ORF-Mittagsjournal ebenfalls als einen "Erfolg". Dies seien immerhin rund 5.000 bis 6.000 Kleinanleger. Zurückzuführen sei dieser Erfolg darauf, dass der Sache - via Inseratenkampagne - eine hohe Publizität gegeben worden sei.

"Sehr erfreulich" sei auch, dass sich die Voest-Mitarbeiterstiftung "in besonderem Maße engagiert" habe. Deren Anteil steigt von bisher 6,6 auf knapp über 10 Prozent. Der ÖIAG-Vorstandsdirektor sagte weiters, er gehe davon aus, dass die Banken bei der Zuteilung den Privatisierungsauftrag der Regierung "in besonderem Maße berücksichtigt haben", dass strategische Investoren nicht zu berücksichtigen seien.

Grasser: "Vollprivatisierung"

Auch Finanzminister Karl-Heinz Grasser zeigte sich am Freitag mit dem Verkauf staatlicher Voestalpine-Aktien über die Börse zufrieden und sprach von einer "Vollprivatisierung" - obwohl die ÖIAG 15 Prozent des heimischen Stahlriesen weiter behält.

Es sei gelungen, mit rund 50 Prozent österreichischer Aktienbesitzer die Voest in heimischen Händen zu behalten, und es seien alle Vorgaben des Regierungsauftrages vom April und Juni "mehr als eingehalten" worden, so Grasser.

"Ich denke, diese Voest-Privatisierung ist ein Beispiel dafür, wie man es machen soll - wie man eine Privatisierung im österreichischen Interesse erreicht", erklärte Grasser im ORF-Hörfunk. In einer Aussendung lobte der Finanzminister, dass mit erfolgreicher Beendigung der weiteren Börsenplatzierung von Voest-Aktien im Rahmen des Secondary Public Offering die "Vollprivatisierung unter 100-prozentiger Wahrung der österreichischen Interessen vollzogen" worden sei.

15 Prozent bleiben vorerst der ÖIAG

Wie berichtet hat die ÖIAG von ihren 34,7 Prozent der Voest 19,7 Prozent über die Börse verkauft und für weitere 15 Prozent eine Umtauschanleihe begeben. Diese Aktien - die Anleihe läuft bis 2006 - behält die ÖIAG jedoch vorerst weiterhin.

Das Unternehmen sei heute endgültig von staatlichen Fesseln befreit worden und könne jetzt unter besten Rahmenbedingungen optimal arbeiten", Grasser in der Aussendung seines Ressorts weiter. Die Diskussionen der vergangenen Wochen "sehr deutlich gezeigt, dass es allerhöchste Zeit war, die voestalpine AG aus den politischen Einflüssen und vor allem auch der sehr parteipolitisch geprägten Diskussion herauszunehmen." Wieder einmal habe es sich "bewiesen, dass der Staat kein guter Unternehmer ist".

Alle Vorgaben seien "auf Punkt und Beistrich erfüllt", so Grasser in der Aussendung seines Ressorts weiter: Die österreichische Kernaktionärsstruktur sei deutlich ausgebaut und die Einheit des Unternehmens durch das langfristige Interesse der österreichischen Aktionäre garantiert worden. Durch den weit reichenden österreichischen Besitz an der voestalpine AG würden Entscheidungszentralen sowie Forschung und Entwicklung in Österreich erhalten bleiben, was langfristig hochqualifizierte Arbeitsplätze sichere.(APA)

Share if you care.