Österreichs Beamte unzufrieden

22. September 2003, 16:11
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73 Prozent halten Reform für nötig - Aber nach dem Motto: Gesamtkonzept statt Budgetsanierung

Salzburg - Reformen in der öffentlichen Verwaltung sind dringend notwendig - sagen neben vielen Österreichern auch die Beamten selbst. Doch das, was bisher an Reformen umgesetzt wurde, stößt bei einer von der WU Wien durchgeführten Befragung unter Spitzenbeamten auf hohe Unzufriedenheit. Kritisiert würde vor allem, dass es zu wenig strukturelle Reformen gebe - statt dessen ging es um Budget- und Planstelleneinsparungen.

Nur 1,7 Prozent sehen keinen Reformbedarf

Befragt wurden im Rahmen eines Forschungsprojektes für Public Management an der Wirtschaftsuniversität Wien insgesamt 418 Führungskräfte auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene. Das Ergebnis: Rund 73 Prozent der österreichischen Verwaltungsmanager halten eine Reform für sehr notwendig oder notwendig. Keinen oder kaum Reformbedarf der Verwaltung orten nur 1,7 Prozent.

Bisherige Reformen zu wenig weit reichend

Knapp 60 Prozent der Verwaltungsmanager sind schon bisher von Reformen stark oder sehr stark betroffen. Doch mit den Ergebnissen herrscht weitgehend Unzufriedenheit: Nur 15 Prozent der Befragten gaben an, dass sie mit dem bisher Erreichten in hohem Ausmaß zufrieden sind. Knapp 37 Prozent sind nicht bzw. überhaupt nicht zufrieden. Je stärker die Führungskräfte selbst in die Reformen involviert waren, desto positiver sehen sie das Erreichte. Mehr als 30 Prozent kritisierten, dass die Reformen zu wenig weit reichend und konsequent waren bzw. das Reforminitiativen im Sand verlaufen. Den Befragten ist der hohe Stellenwert von Einsparungen im Gegensatz zu "echten" Strukturreformen ein Dorn im Auge.

Politik soll sich heraushalten

Was erwarten die Verwaltungsmanager von den künftigen Reformbestrebungen? Sie verlangen klare Prioritäten und größere Handlungsspielräume. Die Politik solle die Ziele vorgeben, sich aber aus dem operativen Geschäft heraushalten, fasste Gerhart Holzinger, Mitglied des Verfassungsgerichtshofs und Leiter des Forschungsprojektes zusammen. (APA)

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