Elf US-Soldaten innerhalb von 24 Stunden getötet

21. September 2003, 15:17
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Nach Attacke auf US-Konvoi starben bei erneutem Überfall drei weitere Soldaten - 55 Festnahmen in Tikrit

Tikrit/Hongkong/Falluja/Bagdad - Drei US-Soldaten sind am späten Donnerstagabend bei einem Rebellenangriff in der Nähe der irakischen Stadt Tikrit getötet worden. Zwei weitere Soldaten wurden nach US-Militärangaben verletzt, als die Rebellen mit Kleinwaffen das Feuer auf sie eröffneten. Die Soldaten wollten einige Kilometer südlich von Tikrit eine angebliche Raketenbasis inspizieren, von der in der Vergangenheit mehrmals Granaten auf US-Militärkonvois abgeschossen worden waren. Das US-Militär machte keine Angaben über mögliche irakische Opfer.

Schwere Attacke auf US-Konvoi

Zuvor waren bei einem schweren Angriff auf eine US-Patrouille westlich von Bagdad nach Angaben arabischer TV-Sender mehrere US-Soldaten getötet worden. Laut Al Arabiya kamen bei dem Zwischenfall in der Stadt Chalidija mindestens acht US-Soldaten ums Leben. Auch Al Jazeera berichtete von mehreren Todesopfern unter den US-Soldaten. Nach Informationen des US-Militärs hingegen wurden nur zwei Soldaten verletzt. Augenzeugen berichteten, zunächst sei eine ferngezündete Bombe detoniert, danach wurden die Soldaten von den Angreifern unter Feuer genommen.

Die US-Soldaten hätten nach dem Angriff auf mehrere Häuser und zwei Fahrzeuge geschossen, darunter ein Auto der Nachrichtenagentur AP. Dabei sei ein dreijähriger Junge verletzt worden. Kurz nach dem Angriff transportierte ein US-Militärfahrzeug mindestens einen völlig zerstörten Lastwagen ab. Nach Einbruch der Dunkelheit zogen sich die US-Truppen aus Chalidija zurück.

Jubeldemonstrationen

Wie Augenzeugen berichteten, liefen danach etwa 100 Iraker auf die Straße und tanzten. Sie trugen ein großes Transparent mit dem Bild des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein in Kampfuniform. Sie feuerten Freudenschüsse in die Luft ab und sangen: "Wir opfern dir unser Blut und unsere Seelen, Saddam!" Im sunnitischen Dreieck gibt es den stärkten Widerstand gegen die Besatzungstruppen. Erst am Montag fiel der Polizeichef von Chalidija einem Attentat zum Opfer. Am Mittwoch war in einem Saddam zugeschriebenen Tonband zum verstärkten Kampf gegen die US-Soldaten im Irak aufgerufen worden.

55 Festnahmen in Tikrit

In Tikrit nahm die US-Armee unterdessen 55 Iraker fest, die sie verdächtigte, an dem Angriff auf eine US-Patrouille verwickelt zu sein, bei dem am Donnerstagabend drei Soldaten getötet und zwei weitere verletzt worden waren. Die Festgenommenen seien mit Sturm- und Maschinengewehren sowie mit Granaten bewaffnet gewesen, teilte ein Militärsprecher mit. Nach seinen Angaben gingen die Durchsuchungen in der Heimatregion des gestürzten Präsidenten weiter.

Powell: Irak ist auf dem Weg zur Demokratie

Indessen gab US-Außenminister Colin Powell bekannt, dass die amerikanischen Truppen werden so lange im Irak bleiben würden, bis die Verwaltung des Landes an eine demokratisch gewählte Regierung übergeben werden könne. "Es braucht Zeit und Geld, um die Aufgabe zu beenden", schrieb Powell in einem Gastkommentar für das "Asian Wall Street Journal".

Es gebe ernsthafte Probleme bei der Wiederherstellung der Infrastruktur und der Sicherheit, räumte Powell ein. Bei einem Besuch im Irak sei er zu der Überzeugung gelangt, dass die Menschen dort "auf dem Weg zu demokratischer Selbstverwaltung" seien. "Was ich sah, hat mich mehr denn je überzeugt, dass die Befreiung des Irak im besten Interesse des irakischen Volkes, des amerikanischen Volkes und der Welt war", schrieb Powell. (APA/AP/Reuters/dpa/red)

Links

BBC

CNN

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Video-Aufnahmen zeigen die brennenden Trucks der US-Patrouille.

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