Das Schnitzerl bleibt Leibspeis' der Wiener

23. Dezember 2003, 12:38
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Das ist kein Klischee - die sind so, die Wiener. Das Schnitzerl und das Semmerl - die Leibspeis' schlechthin, da geht nix drüber

Dass der Boom der Ethno-Küche in Wien die traditionelle Küche nicht überrollt hat, wurde nun von der Wiener Wirtschaftskammer erhoben. Zum einen sind demnach die Wiener entgegen dem Klischee diesmal nicht raunzig - von den 500 Befragten beurteilten 87 Prozent die klassische Wiener Küche als "sehr gut" oder "eher gut". Das entspreche im Schulnotensystem einem "ausgezeichneten" Wert von 1,7, folgerte Wiens Wirtschaftskammerpräsident Walter Nettig am Donnerstag.

Dann die Frage nach dem Lokaltyp: Bei "freier Wahl" würden sich 51,4 Prozent für ein Lokal mit bodenständiger und also heimischer Küche entscheiden. Hingegen würden 39,8 Prozent ethnisch speisen - also italienisch, asiatisch, indisch oder arabisch.

Die Hitliste der Speisen entspricht dem Trend: 39,8 Prozent schwärmen von Schnitzerl, Cordon bleu und Co. Dahinter folgen Fischgerichte (29,6 Prozent), das Steak (26,2 Prozent und der Zwiebelrostbraten (21 Prozent). Eine regelrechte "Renaissance der Wiener Küche" ist das für den Gastronomen Stefan Gergely. Wobei sich Männer vor allem mit Gebackenem das Wamperl vollschlagen, bei Frauen eher Leichtes wie Fischgerichte goutiert werden. Was Gergely verblüfft: dass der Tafelspitz - auch eher leichte Kost - mit 12,4 Prozent weit abgeschlagen am vorletzten Platz rangiert.

Da die Umfrage im August durchgeführt wurde, verwundert es nicht, dass bei den Desserts Gefrorenes gewann, auf den Plätzen folgen Palatschinken, Tiramisu und Strudel. Wobei Gergely das Tiramisu "längst eingewienert" sieht; "wenn die Deutschen uns den Mozart nehmen, können wir das auch".

Die letzte abgefragte Kategorie: Snacks. Hier war die Wurstsemmel sozusagen zweideutiger Sieger. Denn bei den Geschlechterwertungen liegen jeweils andere Happen auf Platz eins: Männer bestellen eher Würstel - Frauen hingegen belegte Brote. (frei, DER STANDARD, Printausgabe vom 19.9.2003)

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    montage: derstandard.at
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