Kommentar: Grauzone Küniglberg

25. September 2003, 16:49
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Zwischen Werbung, Programm und Politik - Von Harald Fidler

Es wird spannend: Wie werden uns die neuen Hauptsponsoren One und dm bei "Starmania" darüber hinwegtrösten, dass wir formatfüllende Chipspackungen missen müssen?

Grauzonen gibt es genug auf dem Küniglberg zwischen Werbung, Programm und Politik. Prototyp einer solchen ist die halb öffentlich-rechtliche, halb private Dauerwerbesendung TW1. Dort gilt wie in ORF On kein Werbeverbot für Parteien. So veranstaltet Peter Rapp TW1-Festspiele mit Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer, die aussehen wie eine Sendung. Korrekt als Werbung markiert und doch mit seltsamem Beigeschmack. Den mildern nur die mageren Seherzahlen. "Daddy Cool" Pühringer hätte besser "Starmania" gesponsert oder ein willfährigeres Landesstudio. In St. Pröllten fülle eine Nicht-Kandidatur lange Liveeinstiege und ganze "heute"-Sendungen.

Noch Grauzonen gefällig? Stefan Gehrer sagt in den wichtigsten Nachrichten Beiträge über seine Mutter an, die Unterrichtsministerin. Bildschirmpausen vertrieb er sich schon mit Beiträgen über Demos gegen die Politik der Frau Mama. Hätte er ein Casting für den "ZiB"-Job gewonnen, ließe sich weniger einwenden. Moderierte er ein Wirtschaftsmagazin, dann gar nichts.

Klar, dass der Brigadier und ORF-Chefredakteur Walter Seledec die Jubiläumsdoku der zur Unabhängigkeit verpflichteten Anstalt über das Bundesheer gestaltet. Haben ja auch schon "Krone"-Kolumnisten ihren Herausgeber im ORF porträtiert.

Gewiss Zufall und nicht Grauzone ist, dass fast zeitgleich mit dem für Belegschaftsvertreter schmerzlichen ORF-Stellenplan eine Vorentscheidung fällt, wer ohne einschlägige Führungserfahrung gleich das größte Korrespondentenbüro leiten soll: der - zweifellos kompetente - Sohn des Zentralbetriebsratschefs wurde nachdrücklich zur Bewerbung für Berlin eingeladen. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.9.2003)

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