Rechnungshof-Kritik am Arbeitsmarktservice

24. September 2003, 19:39
8 Postings

Arbeit der Führungskräfte aufgrund fehlender Belege "nicht nachvollziehbar" - Mangelnden "Kundenbezug" kritisiert

Wien - Fehlerhafte Vermittlungszahlen, wie sie der deutsche Bundesrechnungshof bei der dortigen Bundesanstalt für Arbeit aufgezeigt hatte, hat der österreichische Rechnungshof (RH) beim Arbeitsmarktservice (AMS) nicht festgestellt. Das vom AMS verwendete IT-System sehe Vorkehrungen vor, um Mehrfachbuchungen zu verhindern. Stichproben der RH-Prüfer ergaben da keine Fehler. So viel zum Lob der Prüfer. Defizite stellte der RH allerdings bei der Kundenbetreuung und im Personaleinsatz fest. Die Prüfer stellen sich die Frage, was Führungskräfte der regionalen AMS-Stellen eigentlich im Detail so tun.

Verhältnis eins zu neun

Bei den österreichweit 94 regionalen AMS-Geschäftsstellen waren zu Jahresbeginn 2002 insgesamt 369 Planstellen für Führungskräfte eingerichtet. Bezogen auf die (damals) vorhandenen 3.296 Planstellen bedeute dies ein Verhältnis von rund 1 zu 9.

Bei den vom RH überprüften fünf regionalen Geschäftsstellen waren die Leiter und Abteilungsleiter - mit Ausnahme der regionalen Geschäftsstelle Berndorf - in die direkte Kundenbetreuung nicht eingebunden.

Tätigkeiten nicht nachvollziehbar

"Infolge fehlender Ressourcenaufzeichnungen konnte der RH bei den überprüften regionalen Geschäftsstellen nicht nachvollziehen, welche Tätigkeiten die Führungskräfte im Einzelnen ausübten", heißt es wörtlich im vorliegenden Bericht des Rechnungshofs.

Die Empfehlung des RH im nun vorliegenden Endbericht: Führungskräfte der regionalen AMS-Geschäftsstellen sollten regelmäßig in die direkte Kundenbetreuung eingebunden werden, um den "Kundenbezug" sicher zu stellen.

Gezielte Akquisition fehlt

Das AMS selbst argumentierte, dass Führungskräfte "andere Aufgaben und Kompetenzen" hätten, die unterschiedliches Know how erforderten. Das AMS sicherte aber zu, die Rolle der Führungskräfte im AMS "genauer analysieren und normativ neu festlegen" zu wollen.

Untersucht wurden 5 der insgesamt 94 regionalen AMS-Geschäftsstellen im März 2002. Genereller Kritikpunkt der Prüfer: In den überprüften Stellen kamen die für die Betreuung der Unternehmen eingesetzten Organisationseinheiten ihren Aufgaben "nicht ausreichend nach". Eine gezielte Akquisition von Unternehmen als neue Kunden und damit von offenen Stellen fehlte.

"Beratungsintensität verstärken"

In den überprüften Regionalstellen schwankte die Zahl der monatlichen Beratungen je Berater zwischen 21 in Kufstein und 101 in Wien. Bei durchschnittlich 200 Arbeitstagen betrugen die durchschnittlichen Beratungen pro Berater und Arbeitstag in Wien 6, in Berndorf 2,6, in Oberwart 4, in Zell am See 2,7 und in Kufstein 1,6.

Der Rechnungshof regte an, die "Beratungsintensität zu verstärken", um eine raschere und bessere Vermittlung der Arbeitssuchenden zu gewährleisten. Zumal die Verkürzung der Arbeitslosendauer um einen Tag dem AMS eine Kostenersparnis von durchschnittlich 40 Euro bringen würde, rechneten die Prüfer vor.

Die vom RH überprüften regionalen AMS-Stellen schlugen den Unternehmen im Schnitt 35 Jobsuchende für eine zu vermittelnde Stelle vor. Die Unternehmen wünschten hingegen, für die offenen Stellen vom AMS weniger, dafür aber genau den jeweiligen Anforderungen entsprechende Arbeitssuchende vermittelt zu bekommen, schreibt der RH. (APA)

Share if you care.